Die letzten beiden Abende gingen fürs Skypen drauf. Einmal mit Hanno, der weder Ton, noch Bild hatte (aber es wäre ja auch nicht Hanno gewesen, wenn alles funktioniert hätte), mit Nadine und mit Mama. Dadurch wurde es an den Abenden immer recht spät und ich bin tot ins Bett geplumpst.
Dafür haben mir gestern und heute aber meine eigentlich täglichen vier Stunden Arbeitspause eingebracht, die ich mit dem lieben Flo verbringen konnte!
Gestern habe ich erst Lizzy mit dem Fahrrad ausgeführt, was auch ziemlich gut geklappt hat, bis auf den Moment in dem sie gegen eine Mülltonne gerannt ist, obwohl ich extra Platz gemacht hatte! Danach sind Flo und ich mit Stan rum gecruised, der jetzt hier bei mir steht.
Heute kam es noch viel besser.
Von der Schule aus bin ich hergeflitzt, da ich annahm, dass Flow (sein Spitzname hier) bald da sein würde. Unter die Dusche gehetzt, Haare angefönt, Boden gefegt, zur Hälfte gewischt, Frühstück begonnen. Irgendwann war Flow auch da, sodass wir Lizzy in Stan packen konnten und wieder zum Park gefahren sind (nicht ohne, dass ich vorher zu Ende gewischt habe). So kam es, dass Florian Florean Fortescue Reiners, jüngster Geheimagent der MI6, zum ersten Mal einen Hund an der Leine führte.
Im Park sind wir auf eine nette Frau, Megan, und ihre Tochter Leyla getroffen, was Lizzy überglücklich gemacht hat. Bisher hatte sie nur große Hunde zum Spielen und umher jagen, die ihr eine große Portion Angst eingejagt haben. Megan hatte aber ihren Schnoodle (SCHnauzer pOODLE) Billy dabei, der auch erst 7 Monate alt ist und die beiden verstehen sich prächtig. Hoffentlich treffe ich die drei öfter, wenn ich in den Park gehe.
Danach haben Flow und ich den Strand angesteuert, denn das Wetter war schrecklich schön heute. Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich es genossen habe, einfach nur zu liegen, zu rösten und NICHTS zu tun. Der gemütliche Ausflug hat mir außerdem die Idee gebracht, die Kids morgen oder Samstag an den Strand zu schleppen. Morgen haben sie keine Schule, denn es ist People Free day (quasi Lehrerfortbildung). Das macht alles einfacher, denn Kirstie hat ja morgen ihre OP.
Jetzt zum eigentlich Thema des Blogs: Nedlands.
Nedlands ist eine kleine Gemeinde, die zu Perth gehört. Vielleicht so wie Kohlscheid zu Herzogenrath, nur viel kleiner. Der Stadtteil wir vom Stirling Highway getrennt, der von Perth durch die Suburbs nach Freo (Fremantle) führt. Das ist der einzige unangenehme Teil, denn es ist sehr schwer auf den Highway draufzukommen, geschweige denn zu überqueren. Außerdem ist es kein Highway wie wir sie kennen. An ihm befindet sich die Bibliothek, die Shops etc pp.
Keine großen Shops allerdings. Von hier aus kann ich gemütlich zum lokalen Supermarkt schlendern, ein paar Dinge einkaufen und neben an in die Bäckerei oder den Fishshop schauen und darauf hoffen, einen Laib Dunkelbrot abzustauben. (Geld macht in dieser Familie nichts aus. Kirstie ist auch letztens Sushi für Katie holen gefahren, um ihr das für den Lunch in die Schule zu bringen. Macht mir nichts, denn sie hat mir welches mit nach Hause gebracht ;) )
Die Seite des Highways, auf der wir wohnen ist wie ein Gitter aufgebaut. Von jeder Straße aus kommt man überall hin. Wie es auf der anderen Seite ist, weiß ich nicht, denn da muss ich kaum hin. (Google Maps sagt: Alles ein Gitter, das vom Highway durchschnitten wird.) Eigentlich für James' Gitarrenunterricht, aber seine Lehrerin hat angeboten, für 5 Wochen hierher zu kommen.
Das wirklich spannende an dieser Gemeinde ist die Gemeinschaft.
Am Dienstag musste Al wieder zur Schule, James hat allerdings immer noch gekränkelt, weswegen er zu Hause bleiben sollte. Mit Katie und Al per Bike in der Schule angekommen, erfahre ich, dass es der Tag der Handabdruck Verewigung ist, für die alle drei Kinder bereits 10 Dollar bezahlt haben. Die Lady am Front Desk versprach, mich anzurufen, sobald James Klasse an der Reihe wäre.
Dieses Jahr feiert die Nedlands Primary School ihr hundertstes Jubiläum, weswegen einige Aktionen ins Leben gerufen wurden. So wurde der kleine Weg von Straße zu Schule und ein Teil des Bürgersteiges, eigentlich alles Erde, auserkoren, um dort 420 Handabdrücke zu verewigen.
Als Kirstie und ich mit James dort ankamen, war die Erde von Zement überdeckt, den die Bauarbeiter sorgfältig glattstrichen. Angefangen hatte das Spektakel allerdings noch nicht. Erst nach 10 Minuten ging es durch organisiert los (während man mir morgens mitgeteilt hatte, dass niemand einen Plan von den Zeiten und Reihenfolgen hatte).
Begeistert sah ich zu, wie Lehrer/Bauarbeiter, je eine Hand der Kinder in den Zement drückten und diese dann ein paar Meter weiter zum Hände abwaschen bei den Müttern schickten. Einmal hielt ich einen stolpernden Jungen an und band ihm die Schuhe. Dann drehte sich ein Lehrer um und sagte: Hey, can you help here? Just press in their hands.
Und schon hockte ich auf dem Boden und drückte eine Kinderhand nach der anderen in den Zement. Sogar die von Al, der meiner Meinung nach den schönsten Handabdruck mit sehr viel Wiedererkennungswert hat. Der Lehrer, der alles organisiert hat, war der Meinung, dass es zu kompliziert wäre, alle Initialen an die Abdrücke zu schreiben, worauf hin die Mütter sich aufgeregt haben.
"In 10 years they won't remember which handprint is theirs! The just want their name to be their. For prosperity.", sagten sie, nahmen kleine Stöcke und schrieben zumindest die ihrer eigenen Kinder (ich habe darauf bestanden, Al's zu schreiben.) Dann kamen uns die Raumlisten in die Hand und wir endeten damit, in alphabetischer Reihenfolge die Abdrücke jeder Klasse zu beschriften. Tatsächlich hat der Schulleiter heute morgen verkündet, dass nur ein Name falsch war. Am Ende gab es außerdem eine große Lücke, sodass einer der begeisterten Bauarbeiter sagte: "Cement will be wet for 15 more minutes, so have all teachers do a handprint and no worries." Ich liebe einfach den Gebrauch von No Worries in diesem Satz :)
So kam es auch, dass Kirstie und ich unsere Hand in den Zement drückten. Allerdings war er schon beinahe trocken, sodass ein kleines Mädchen meine Hand hin und her schob und der Abdruck so aussieht, als trage ich Handschuhe!
Der Sinn dieser langen Erzählung, ist um zu zeigen, wie die Eltern und Kinder zusammen arbeiten. Ein noch viel besseres Beispiel ist die treue dem kleinen Supermarkt gegenüber. Es sollte ein großer am Stirling Highway gebaut werden, der den Verkehr noch verschlimmert hätte. Schon so geschehen genug Unfälle. Gestern fuhren Flow und ich an einem vorbei, bei dem selbst eine halbe Stunde später, die Frau immer noch auf dem Lenkrad lag und laut Kirstie ist vor nicht allzu langer Zeit ein Auto in Flammen aufgegangen. Jedenfalls wurde eine große Unterschriften Aktion gestartet, um den kleinen Supermarkt zu unterstützen und sie haben gewonnen. Klingt das nicht wie in einem dieser amerikanischen Filme?
Der Mann im Supermarkt schenkt den Kindern Lollis, in der Bäckerei trifft Kirstie 10 andere Mütter, jeder kennt jeden und jeder hat Kinder im selben Alter. Jeden Freitag gibt es in der Schule eine Assembly, die immer von einer anderen Klasse geleitet wird. Da morgen frei ist, war sie schon heute und ich habe sie mir vergnügt angesehen.
Es war die Year 6 Assembly über die 20er Jahre in Australien. Sie haben historische Informationen geliefert und auch einige in tollen Kostümen nachgespielt. Es war enorm lustig, mit oft schwarzem Humor. Es wurden Koalas und Opossums erschossen, ein Pferd vergiftet, ein Krieg geführt, die Todesstrafe ausgehängt und die Harbour Bridge geöffnet. Einfach herrlich, wie viel Mühe sie sich gegeben haben. Als und Katies Assembly stehen noch aus und ich plane mir auch diese anzusehen.
So für heute war es das, denn ich bin müde und es ist schon nach Bettzeit (10 Uhr) für mich. Morgen wird ein langer Tag, da die Kinder keine Schule haben und ich zum Großteil allein mit ihnen sein werde. Abends gehe ich allerdings mit Flo und ein paar Au Pairs aus, worauf ich mich freue. Neue Leute kennenzulernen, ist immer schön.
Bis bald mit neuen Local News,
Flipper







Hi Shirin, es klingt so als, wärst Du in Nullkommanichts dort angekommen bist:-)Toll, wie Du erzählst:-)
AntwortenLöschenBin mal auf weitere bilder und Gecshichten gespannt:-) Apropos Thema als wäre es Sommer jetzt in Perth,dabei hat Tracy paar Schneelandschaften aus Tasmanien präsentiert..Bin mal gespannt wie warm es dort im Sommer wird...
Manonkel
Ich wusste doch, dass sich der Name Flow durchsetzt ;)
AntwortenLöschenWünsch Kirstie viel Glück für die OP und danach gute Besserung