Freitag, 30. August 2013

Sturmfrei

OGestern Morgen war es schließlich soweit, Aziz ist in aller Herrgottsfrühe ausgezogen, sodass das kleine Zimmer für mich frei wurde. Er hatte Emma drei Mal gesagt er würde ausziehen, es sich dann wieder anders überlegt, bis ihr jetzt schließlich der Kragen geplatzt ist.
Seit einer Woche hat Aziz keine Miete mehr gezahlt und nun das Zimmer, sagen wir mal, nicht im positivsten Zustand hinterlassen. Bierflaschen, Verpackungen, Essensreste, Klamotten, benutzte Toilettenartikel... Ely (Emmas Mann, er kommt aus Venezuela) war nicht in der besten Laune als er das Zimmer grob enteufte, später kam dann Emma nochmal um sich um den Rest zu kümmern.
Ich bin mittlerweile komplett umgezogen und habe endlich auch mal meine Sachen alle ausgepackt!


Heute Morgen ist dann Reece ausgezogen, er macht einen Trip nach Exmouth bevor er nach Melbourne fährt. Brett brachte es gestern sehr passend auf den Punkt, als er fragte, ob mein Flatmate 'a bit special' ist. Auf der einen Seite ist es interessant gewesen, Reece zuzuhören und sich mit ihm zu unterhalten, auf der anderen war es aber auch anstrengend, über seine Selbstverherrlichungen hinwegzusehen.
Dass er kurz davor war, Shirin am Montag rauszuschmeißen, weil sie sein Land beleidigt haben soll (Stichwort: Teen Pregnancy), finde ich im Nachhinein doch sehr amüsant.

Bis morgen Nachmittag bin ich jetzt allein in der Hütte und habe mir überall die Pole Position gesichert. Die besten Etagen in Kühlschrank und Regal gehören jetzt mir, die Heizung steht in meinem Zimmer und ansonsten habe ich für Feuer, Trockentücher und Seife gesorgt. Reece hat nämlich sehr genau darauf geachtet, ja auch alle seine Besitztümer mitzunehmen - Großzügigkeit und Empathie zählen ja wie gesagt nicht zu seinen Stärken!
Kurz gesagt bin ich jetzt hier King in the Castle! :P

Heute habe ich übrigens eine Antwort auf meine Gumtree-Anzeige bekommen (http://www.gumtree.com.au/s-ad/west-perth/language-tutoring/need-help-with-german-studies-lecturing-tutoring-talking/1026574738), von Bill. Er sagt er wolle nächsten Monat am Goethe Institut den Deutsch A1 Test machen, als Voraussetzungen für sein Spouse Visa, damit er zu seiner Frau nach Deutschland kann. Ich bin mal gespannt was sich da entwickelt!

Achja und tanken musste ich heute... Für umgerechnet etwa 95 Cent pro Liter sehr erträglich, doch 14,5l Verbrauch schmälern die Ersparnis wiederum. Am Ende kamen aber trotzdem nur 15$ct pro Kilometer bei raus, also weniger als 10€ct - verrückt sowas! Würde man hier mit einem Polo fahren bekäme man womöglich noch eine Auszahlung an der Zapfsäule :P

Jetzt muss ich aber erstmal spülen und dann ins Bett, denn morgen früh gehe ich mit Shirin zum Friseur, und wie immer ist es mal wieder bitternötig! ;-)


Bis dahin,
Flo

Dienstag, 27. August 2013

Blitznews

Da ich wieder viel geschuftet habe und müde bin uund ! ein Buch zu lesen habe, hier die Highlights meines Tages (leider keine neuen Informationen zu Ash):

Lauren getroffen. Wenn man eine junge Frau an der Primary School sieht, stehen die Chancen gut, dass sie so ist wie man selbst. So ungefähr. Jedenfalls hat Lauren, die lustige mit den krausen Haaren, sich tatsächlich als Au Pair entpuppt. Sie kommt aus England und ist nur noch ein paar Wochen hier, erscheint mir aber als sehr nett. Vielleicht mag sie mich doch nicht, denn auf meine Email hat sie nicht geantwortet. Aber ich hoffe sie wenigstens etwas kennenlernen zu können.

Ein Buch ausgeliehen. Ich durfte Kirsties Library card benutzen, um mir ein Buch in der Bibliothek auszuleihen, denn ich habe mir schon mehrmals gedacht, dass ich gerne was lesen würde. Nur was? Ach ja, dem dritten Hunger Games Buch wollte ich mich schon seit längerem widmen. Aus diesem Besuch entstand auch das dritte Highlight:

Claire kennengelernt. Sie ist die 31 jährige Bibliothekarin der Nedlands Library. Sie liebt reisen und war auch schon viel unterwegs und unterrichtet außerdem Musik. Sie hat mir eine Zeitung empfohlen, in der "hippe" Events in Perth beschrieben werden (seeehr gute Zeitung) und außerdem ein paar Websites aufgeschrieben, bei denen steht, was es so an Music gigs und shows gibt, aber auch aktionen in restaurants etc pp. Das wiederum hat hierhin geführt:

http://www.waapa.ecu.edu.au/news/latest-news/waapa/2013/08/so-fresh-and-so-clean-waapa-dancers-showcase-their-creative-talents-at-uwa
Eine Tanz aufführung der Studenten in der Uni, die hier um die Ecke ist. Ich habe eben ein Ticket gebucht und werde wohl alleine hingehen, weil dem Flo das zu teuer ist. Aber das ist schon ok :) Ich fand 24 Dollar absolut akzeptabel und freue mich riesig darauf.

Meine Bolognese gestern und Fetuccini Marinara heute haben allen gut geschmeckt und ich habe gehört, wie Kirstie am Telefon zu ihrer Freundin gesagt hat: "Shirin has just been incredible. Yeah, she is amazing."
Tada, trotz Stress (und Mistwetter) war der Tag von freudigen Ereignissen durchzogen.
Ich werde mich jetzt meinem Buch zu wenden.

Alles liebe,
Flipper

Montag, 26. August 2013

Christus Mansionem Benedicat

Heute musste ich noch einmal an den polnischen Missionar denken, den ich gestern morgen in der Hostelküche getroffen habe, und deshalb erschien mir der Titel irgendwie passend.
Er hatte mich nach meinen 'Plans for today' gefragt, und ich hatte ihm erzählt was ich so vorhatte. Als ich ihn im Gegenzug nach seinen Plänen fragte, entgegnete er: 'We're going to church, singing the Sunday! You should come with us,... Why not? We don't have such an old bricky church, we have a new one with lots of glass!' - An meiner Reaktion hatte er wohl schon irgendwie gemerkt, dass er mich nicht bekehren konnte und es mit der Architektur versucht. Als ich jedenfalls die Küche verließ, ohne göttliche Absichten, sah er mich eindringend an und schenkte mir die Geste der Dreiheiligkeit!

Vielleicht war es daher ein Wink des Teufels, dass mir dann am Abend doch noch einmal bange wurde wegen meinem zukünftigen Obdach. Kyle, dem ich Samstag Morgen noch wegen seiner Wohnung geschrieben, aber keine Antwort erhalten hatte, meldete sich gestern am späten Abend, nachdem ich mit Emma schon alle Modalitäten für den Einzug in ihr Haus geklärt hatte. 
Das schlechte Gewissen rührte eigentlich daher, dass Kyles Wohnung 1. pro Woche 15$ günstiger, 2. deutlich näher am Stadtzentrum und 3. gemäß den Fotos etwas gemütlicher ist. Ich habe noch versucht, ein Treffen vor zehn Uhr morgens zu arrangieren, leider ohne Erfolg. Also bin ich rein interessehalber mal dort vorbeigefahren, und ich muss sagen, von außen sieht das Haus zumindest gut aus, doch leider gibt es in dem Viertel nicht so eine ausgeklügelte Nahversorgung.
Trotzdem ich heute um halb sieben aufgestanden bin, war es ruckzuck schon Zeit, nach Brentwood zu fahren, wo ich mich auf halb elf mit Emma verabredet hatte.
Auf dem Weg fing es an ein wenig zu schauern, doch als ich mit Stan in die Einfahrt einbog klarte es etwas auf. Emma kam kurz nach mir an und — hatte die Schlüssel zu Hause vergessen. Sie war 'very sorry about that', schließlich bedeutete das für mich noch eine Stunde warten, denn sie wohnt mit dem  Auto etwa eine halbe Stunde von hier entfernt. Nett wie sie ist gab sie mir aber schon den WLAN Schlüssel, sodass ich mir mit dem heute journal ausreichend die Zeit vertreiben konnte!
Als wir dann schließlich ins Haus reinkamen nahm der Tag eine sehr überraschende aber auf ganzer Linie positive Wendung. Aziz, der im günstigsten Room wohnt, zieht wegen eines Jobs in Mandurah (ca. 70km südlich von Perth) schon sehr bald wieder aus. Emma und ich haben sofort vereinbart, dass ich dann in den Grey Room kann, so wie das ja ursprünglich mein Plan war! Das Beste ist, dass ich pro Woche statt 190$ jetzt nur 165$ zahle.
Für die ersten Tage bin ich jedoch im Master Bedroom eingemietet, der sieht so aus:


Und einmal aus der anderen Ecke (ich habe das Gefühl, die Linse müsste mal geputzt werden):


Wie man sieht habe ich heut Wäsche gewaschen, die Wäscheleine passt perfekt zwischen Schreibtisch und Kleiderschrank (danke Papa :) ).

Es ist auf jeden Fall viel angenehmer, in einem eigenen Zimmer in einem eigenen Bett in sauberer und warmer Bettwäsche zu liegen, viel besser als im Hostel! Bloß in Küche und Bad ist mancherorts etwas Handlungsbedarf. Dem Siff werde ich morgen mit dem Zauberputzstein zu Leibe rücken und den 'Reinerschen Wohnstandard' etablieren :-P

Jetzt noch ein bisschen was zu meinem Nochmitbewohner Reece. 25, in Augsburg geboren, kurz in München gelebt, dann nach Detroit ausgewandert. Die Großeltern kommen aus Mainz, der Vater aus Stuttgart und die Familie erstreckt sich bis hoch zu den 'Harz Mountains'.
Er hat bis jetzt bei Myer, einer großen Edelkaufhauskette, in der Herrenabteilung gearbeitet und heute haufenweise Goodbye-Geschenke mit nach Haus geschleppt, denn es war sein letzter Tag dort. Reece ist schon eine ganze Menge rumgekommen, Kanada, Japan, Neuseeland, Jordanien, Ägypten (wo er mitten in die Revolution geraten ist), Australien und Deutschland natürlich (auch wenn er so gut wie kein Wort Deutsch kann). Als er in Jordanien war wurde er kurzzeitig auf eine No-Fly-Liste gesetzt und konnte nur  unter schwierigen Bedingungen in die USA zurückkehren. In den Irak, Jordanien, Syrien und Afghanistan darf er nicht mehr einreisen und hat mit seinem US-Pass ein paar Probleme im Moment. Was denn in Jordanien nun wirklich passiert ist, dass es zu all den 'big issues' gekommen ist, konnte auch Shirin nicht aus ihm rauskriegen.
Ich hatte sie nach der Arbeit zuhause abgeholt und wir sind zu Domino's gefahren, die leckere 5$-Pizza holen und einen McFlurry, den wir uns zum Nachtisch geteilt haben. Das war so eine Art House-Warm-In.
Anfangs haben sich Reece und Shirin auch noch ganz gut verstanden, doch dann haben sie sich irgendwann in einer Diskussion verfahren, ob Teen Pregnancy und Bildungsfaulheit in Amerika verbreitet sind oder nicht. Wenn ich sage "verfahren", dann meine ich das auch so. Beide haben nicht die andere Meinung zugelassen, sodass es zunehmend anstrengend wurde, der Auseinandersetzung weiter beizuwohnen.
Schließlich habe ich Shirin dann nach Haus gebracht, bin wieder heimgefahren und habe ein Stündchen mit meinen Eltern geskypt.

Dann war's auch schon wieder elf, und jetzt ist es schon wieder halbeins! So ein Blog schluckt tatsächlich eine Menge Zeit, doch die investier' ich gerne, um euch an den Erlebnissen teilhaben zu lassen.

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes,
Lopaka

Sonntag, 25. August 2013

Inventur – Alles muss raus!

Bei mir ist in den letzten Tagen nicht allzu viel Spannendes passiert, weshalb ich beschlossen habe erstmal ein bisschen zu sammeln...
In den letzten Tagen habe ich angefangen Klinken zu putzen und bin in mehrere Restaurants und Cafés gegangen, "I just wanted to ask if you need any kitchen or service staff at the moment?", und habe insgesamt knapp 10 Mal auch meinen CV dagelassen.
Die weitaus besseren Neuigkeiten der Woche sind aber, dass ich jetzt eine Wohnung gefunden habe! Ein Haus mit drei Schlafzimmern, einer einfachen Küche und einem einfachen Bad. Es liegt in Brentwood (64 Moolyeen Rd, falls sich das jemand auf der Karte anschauen mag), etwa 12km südlich vom Central Business District. Über den Kwinana Freeway ist man mit dem Auto ca. eine viertel Stunde unterwegs dorthin.
Im kleinsten Zimmer, das ich eigentlich haben wollte, ist mir schon ein 18-jähriger Türke, er heißt Aziz, zuvorgekommen, der laut Reece (zieht am Freitag aus) aber nie Zuhause ist, weil er so viel arbeitet (Probleme die ich auch gern hätte). Wenn ich ihn denn dann mal treffe kommen wir hoffentlich auch mal ins Gespräch! Ansonsten zieht etwas später auch noch eine Frau aus Réunion ein, sie heißt Isabelle, ist schätzungsweise 40, studiert in Perth Childcare und kann kein Wort Englisch.
Morgen früh heißt es auf jeden Fall 'Ade Old Swan Barracks', worum ich nicht sehr traurig bin. Immerhin hatte ich hier eine recht delikate Henkersmahlzeit, Brokkoli mit Käse überbacken, dazu Stampfkartoffeln! In weiser Voraussicht nichts, wofür man eine Pfanne braucht :-P

Heute war in der Stadt übrigens 'City to Surf', ein großer Lauf mit mehreren tausend Läufern, weshalb der Public Transport doch deutlich durcheinander geraten ist. Nachdem die Horde durch war bin ich zufällig in die Aufräumarbeiten geraten - ein so ein Run und es liegen überall auf der Straße haufenweise Klamotten rum. Wären die nicht alle nass gewesen, hätte ich mir das ein oder andere Hemd vielleicht mal angeschaut, doch so musste ich meinem Schnäppcheneifer im Woolworth's nachgehen: Teigdreiecke mit Käse-Basilikum-Füllung, hmmhh, und mit 72% Rabatt noch besser :D

Letztendlich endete der Nachmittag jedenfalls damit, dass wir Stan bei den Walkers unter den Carport stellten und uns durch das schier endlose Equipment arbeiteten. Wir haben eine Inventurliste gemacht, fünf Seiten an der Zahl, doch ich habe sie leider nicht vor mir... Auf jeden Fall gibt es viele Boxen und Tupper(fake)dosen, zwei Töpfe, zwei Pfannen, vier Tassen, vier Teller, Besteck, eine Kühlbox, vier Kühlakkus, eine Waschschüssel, ein Zelt, die Matratze natürlich, zwei Stühle, einen Tisch, zwei Sonnenbrillen, ein Volleyball, zwei Schnorchelsets (!), eine Schwimmnudel (!!), Vorhänge für die Fenster (!!!), zwei Schlafsäcke, drei Kissen, einen Campingatlas, einen Straßenatlas, zwei Lonely Planet Australien Reiseführer, ein Scrabblespiel, ein Kartenspiel, Kabelbinder, Hanfseile, Schraubendreher, Rohrzange, Motoröl, Spritkanister, Streichhölzer, Teelichter, Moskitonetze, Moskitospray, Wäscheklammern, Lampen, ein Klinke-Kassette-Adapter und noch etwas mehr. In etwa so sah es dann aus:


Wir haben beschlossen, wenn ich morgen umgezogen bin, dass ich dann so einiges mal wasche und zum Lüften raustun etc., denn manche Sachen sind feucht, da muss man der Sache nochmal auf den Grund gehen - MI6 Agent FlowRheina ermittelt! B-)

Während ich gerödelt habe, haben die Ladies, sagen wir mal wertvolle Erkenntnisse über den Liegekomfort gesammelt.

Zitat Shirin nachdem ich alles eingeräumt habe und sie noch eine Schüssel reingestellt hat: "Puh das war aber wirklich anstrengend!" ... >:-|  :-D


So, morgen melde ich mich dann live aus dem neuen Gebiet und gebe bis dahin zurück ins Studio,
Lopaka

Samstag, 24. August 2013

Gotta Catch 'Em All!

Schon einmal vorneweg: Ich bin absolut kaputt und total am Ende - dabei habe ich heute doch eigentlich frei?
Da Kirstie heute aus dem Krankenhaus zurückkommen sollte, stand es für mich außer Frage, heute nicht zu helfen. Die meiste Zeit war ich mit den Kids alleine, denn Brett ist heute morgen ins Krankenhaus gefahren.
Deswegen bin ich mit allen dreien zum Supermarkt gelatscht, um Prawns fürs Mittagessen zu besorgen und einen hübschen Narzissenstrauß für Kirstie zu besorgen. (Die Blumen haben wir in kleinen Grüppchen im ganzen Haus verteilt.) Sowieso haben die Kinder sich unheimlich viel Mühe gegeben! Alastair hat beim Sofa eine richtige Gesundwert Lagune gebaut. Einen Hocker zum Fußhochlegen, Früchte mit Messer und Servietten, Schokolade, Bücher, Wasser, Blumen und einen Lautsprecher, aus dem Dinosauriergebrüll dröhnt, falls Kirstie jemandes Hilfe braucht. Die anderen beiden haben Schilder und Karten gebastelt, die sie ins Haus gehängt hat.

Zwischen Einkaufen und Hundespaziergang habe ich die Shrimps mariniert, dann habe ich alle drei in den Stan gestopft (Lizzy auch) und bin hoch zum Park gedüst. Soweit so gut.
Auch mit dem Mittagessen lief es gut, denn die Kids haben mir 1.294.359 Punkte von 10 dafür gegeben ;) Das darauffolgende Kuchenbacken lief auch noch ok, davon abgesehen, dass die Jungs begannen sehr laut zu sein und herum zu tollen. Dann rief Brett an, um mir zu sagen, dass sie jetzt unterwegs nach Hause seien. Der Kuchen war noch nicht fertig und so sah die Küche natürlich schrecklich aus. Oh weh!

Also den Teig in die von Katie vorbereitete Form gegeben und schonmal alles gebrauchte Geschirr in die Spüle geräumt, damit es nicht auf dem Tresen rumsteht und die Zutaten weggepackt. Beim Hochheben der Form erreichte mich das Grauen. Die Form ist nicht ganz dicht, weswegen zwei große Flatschen Teig den weißen Tresen zierten. Was taten die Kinder? Die Hände durchziehen und ablecken. Das war mir zu viel.
"Stop! Clean your hands, your mouths and your feet and then go outside! I do not want to hear or see you for the next five minutes."
Glücklicherweise waren sie mir dafür nicht böse. Die Kuchenform habe ich trotzdem in den Ofen geschoben, mit einem Blech darunter, um den Teig aufzufangen. In Windeseile habe ich den Tresen und Boden gewischt und Spülwasser eingelassen.

Ich fühle mich immer noch enorm gestresst. Nur noch die Hälfte des Teiges ist in der Form zu einem Kuchen gebacken, während ich den Rest zu kleinen Happen geschnitten habe. Ich höre die anderen im Raum nebenan (gerade diskutieren sie darüber, ob Alastair zu Toyworld gehen darf) und laut Kirstie schmeckt ihr der Schokokirschkuchen trotzdem sehr gut, ich selbst bin aber natürlich unzufrieden.

Kurzer Auszug meines Lebens:
"I am going to toyworld today or tomowow.", said Alastair stubborn.
"I agree with tomorrow.", said Brett and a short silence followed.
"It's a pinky promise.", Alastair decided.
"Did I just say that out loud?" You can only imagine the excited laughter you could here from the boys after that.

Jetzt zu dem Delighting Part der letzten zwei Tage:
Begeistert von Florians und meinem Besuch in Cottesloe, habe ich James und Katie mit an den Strand genommen (wieder im treuen Stan).
Ein erstes Hochgefühl überkam mich, als ich den Weg ohne Navi oder andere Hilfe beim ersten Versuch zurück zum Strand fand. Trotz mehrfachen Nachfragen, ob sie alles mithatten, dass sie wollten, entschieden die Kinder bei der Ankunft, dass sie ihre Badesachen hätten mitnehmen sollen.



James traf einen Freund dort, mit dem er spielte und Katie und ich verbrachten Mädelszeit mit Fotos und Musik, bis mir auffiel, dass James sich komplett eingekleidet ins Wasser geworfen hatte. An sich kein Problem, wenn er danach kein Loch in den Sand gebuddelt hätte. Ich habe ein achtjähriges Schweinchen nach Hause kutschiert.

Nächster Punkt: Einen Kindheitsstar treffen! Nämlich die Hauptperson von Pokemon: Ash!
Das Wetter momentan ist fabelhaft. Dementsprechend viel Spaß macht es, mit Lizzy im "Park" spazieren zu gehen. Gestern und heute habe ich alle drei Kinder mit dorthin genommen und während die Jungs Cricket gespielt haben (und sich gegenseitig mit ihren Gürteln an Pfosten banden) schlug Katie Ratschläge und ich behielt Lizzy im Auge, die sich schrecklich daneben benahm. Sie tat alles, außer zu mir kommen, wenn ich sie rief.



das hier war nicht im Park sondern bei der Rugby Pokalvergabe. Die Jungs haben Trophäen fürs teilnehmen bekommen ;)


So hat sie sich an die Fersen eines anderen Hundes geworfen. Ein etwas größerer, weißer mit einem schwarzen Flecken ums linke Auge und einem ums rechte Auge und Ohr. Sein Name: Patches. Dies fanden wir heraus, indem wir seinem Besitzer lauschten, der einen roten Ball durch die Gegend warf.
Wie es unter Hundebesitzern so ist, kamen wir ins Gespräch und so fand ich heraus, dass der Name des netten Asiaten Ash ist! Er heißt Ash! Und ist Asiate! und schmeißt Bälle durch die Gegend!

Zugegebenermaßen hören da die Gemeinsamkeiten zu Ash Ketschum, dem Pokemonmeister, auf. Erst einmal hat unser Ash keine Haare. Er ist größer als der TV Ash (wenn auch nicht viel). Älter als der TV Ash und bestimmt nicht so verfressen, sondern ganz im Gegenteil sehr gut gebaut.  Sein Hund (Pokemon) gehört auch nicht ihm, sondern lebt bei ihm nur in der Pension, denn sein Bruder ist ein FiFo (Fly in Fly out) und somit übernimmt Ash immer mal wieder die Verantwortung für Patches, den über-aktiven Hund. Außerdem muss ich hinzu fügen, dass er die Bälle meistens mit einem Tennisschläger wegschlägt. Aber bei Pokemon sieht man ja so einige Techniken! ;)

Die harte Wahrheit ist aber, er ist wirklich kein Pokemontrainer. Nein, es kommt viel besser. Er ist lebensechter, wahrhaftiger Akrobat. TADA!!! Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie begeistert Katie war. Ich bin auch ziemlich beeindruckt. Er hat schon in Kanada und China gearbeitet und von Februar bis Mai auch im Ivy. (Ihr erinnert euch noch, an den angesagten mehrstöckigen Club mit Rooftop Pool in Sydney? Den enorm teuren? Genau der.) Dort wurde eine Millionenschwere Akrobatikshow aufgezogen, an der er teilgehabt hat.

Jetzt ist er zurück in Perth, lebt dort im Haus seiner Eltern, die in Shanghai wohnen (aber ungarisch und malaysisch sind) und hat hier mit einem guten Freund, der für Cirque du Soleil gearbeitet hat, einen Business des Air Yoga aufgezogen.
Für more Information: http://www.airyogaperth.com.au/new/
Dort kann ich auch endlich mal ein Foto von jemandem liefern, den ich hier kenne. Eine Prermiere.
Jedenfalls haben wir ihn heute und gestern getroffen und es ist ganz nett, sich mit jemandem zu unterhalten, während man auf die Hunde Acht gibt und so habe ich auch endlich noch mal jemanden kennengelernt, denn bisher bin ich hier nur mit Florian wirklich befreundet.

So viel hier zu. Heute Abend setzen Flo und ich uns vielleicht noch mal an den Strand, einfach damit ich ein bisschen ausspannen kann. Als er von dem Desaster gehört hat, hat er schon angeboten, herzukommen und mir Arbeit abzunehmen, der Liebe.

Ich melde mich bald, hoffentlich etwas entspannter,
euer/eure Flipper

Donnerstag, 22. August 2013

Suburbian Community

Ja, jetzt lasse ich auch noch mal von mir hören.
Die letzten beiden Abende gingen fürs Skypen drauf. Einmal mit Hanno, der weder Ton, noch Bild hatte (aber es wäre ja auch nicht Hanno gewesen, wenn alles funktioniert hätte), mit Nadine und mit Mama. Dadurch wurde es an den Abenden immer recht spät und ich bin tot ins Bett geplumpst.
Dafür haben mir gestern und heute aber meine eigentlich täglichen vier Stunden Arbeitspause eingebracht, die ich mit dem lieben Flo verbringen konnte!
Gestern habe ich erst Lizzy mit dem Fahrrad ausgeführt, was auch ziemlich gut geklappt hat, bis auf den Moment in dem sie gegen eine Mülltonne gerannt ist, obwohl ich extra Platz gemacht hatte! Danach sind Flo und ich mit Stan rum gecruised, der jetzt hier bei mir steht.
Heute kam es noch viel besser.


Von der Schule aus bin ich hergeflitzt, da ich annahm, dass Flow (sein Spitzname hier) bald da sein würde. Unter die Dusche gehetzt, Haare angefönt, Boden gefegt, zur Hälfte gewischt, Frühstück begonnen. Irgendwann war Flow auch da, sodass wir Lizzy in Stan packen konnten und wieder zum Park gefahren sind (nicht ohne, dass ich vorher zu Ende gewischt habe). So kam es, dass Florian Florean Fortescue Reiners, jüngster Geheimagent der MI6, zum ersten Mal einen Hund an der Leine führte.
Im Park sind wir auf eine nette Frau, Megan, und ihre Tochter Leyla getroffen, was Lizzy überglücklich gemacht hat. Bisher hatte sie nur große Hunde zum Spielen und umher jagen, die ihr eine große Portion Angst eingejagt haben. Megan hatte aber ihren Schnoodle (SCHnauzer pOODLE) Billy dabei, der auch erst 7 Monate alt ist und die beiden verstehen sich prächtig. Hoffentlich treffe ich die drei öfter, wenn ich in den Park gehe.


Danach haben Flow und ich den Strand angesteuert, denn das Wetter war schrecklich schön heute. Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich es genossen habe, einfach nur zu liegen, zu rösten und NICHTS zu tun. Der gemütliche Ausflug hat mir außerdem die Idee gebracht, die Kids morgen oder Samstag an den Strand zu schleppen. Morgen haben sie keine Schule, denn es ist People Free day (quasi Lehrerfortbildung). Das macht alles einfacher, denn Kirstie hat ja morgen ihre OP.





Jetzt zum eigentlich Thema des Blogs: Nedlands.
Nedlands ist eine kleine Gemeinde, die zu Perth gehört. Vielleicht so wie Kohlscheid zu Herzogenrath, nur viel kleiner. Der Stadtteil wir vom Stirling Highway getrennt, der von Perth durch die Suburbs nach Freo (Fremantle) führt. Das ist der einzige unangenehme Teil, denn es ist sehr schwer auf den Highway draufzukommen, geschweige denn zu überqueren. Außerdem ist es kein Highway wie wir sie kennen. An ihm befindet sich die Bibliothek, die Shops etc pp.
Keine großen Shops allerdings. Von hier aus kann ich gemütlich zum lokalen Supermarkt schlendern, ein paar Dinge einkaufen und neben an in die Bäckerei oder den Fishshop schauen und darauf hoffen, einen Laib Dunkelbrot abzustauben. (Geld macht in dieser Familie nichts aus. Kirstie ist auch letztens Sushi für Katie holen gefahren, um ihr das für den Lunch in die Schule zu bringen. Macht mir nichts, denn sie hat mir welches mit nach Hause gebracht ;) )


Die Seite des Highways, auf der wir wohnen ist wie ein Gitter aufgebaut. Von jeder Straße aus kommt man überall hin. Wie es auf der anderen Seite ist, weiß ich nicht, denn da muss ich kaum hin. (Google Maps sagt: Alles ein Gitter, das vom Highway durchschnitten wird.) Eigentlich für James' Gitarrenunterricht, aber seine Lehrerin hat angeboten, für 5 Wochen hierher zu kommen.
Das wirklich spannende an dieser Gemeinde ist die Gemeinschaft.

Am Dienstag musste Al wieder zur Schule, James hat allerdings immer noch gekränkelt, weswegen er zu Hause bleiben sollte. Mit Katie und Al per Bike in der Schule angekommen, erfahre ich, dass es der Tag der Handabdruck Verewigung ist, für die alle drei Kinder bereits 10 Dollar bezahlt haben. Die Lady am Front Desk versprach, mich anzurufen, sobald James Klasse an der Reihe wäre.
Dieses Jahr feiert die Nedlands Primary School ihr hundertstes Jubiläum, weswegen einige Aktionen ins Leben gerufen wurden. So wurde der kleine Weg von Straße zu Schule und ein Teil des Bürgersteiges, eigentlich alles Erde, auserkoren, um dort 420 Handabdrücke zu verewigen.
Als Kirstie und ich mit James dort ankamen, war die Erde von Zement überdeckt, den die Bauarbeiter sorgfältig glattstrichen. Angefangen hatte das Spektakel allerdings noch nicht. Erst nach 10 Minuten ging es durch organisiert los (während man mir morgens mitgeteilt hatte, dass niemand einen Plan von den Zeiten und Reihenfolgen hatte).




Begeistert sah ich zu, wie Lehrer/Bauarbeiter, je eine Hand der Kinder in den Zement drückten und diese dann ein paar Meter weiter zum Hände abwaschen bei den Müttern schickten. Einmal hielt ich einen stolpernden Jungen an und band ihm die Schuhe. Dann drehte sich ein Lehrer um und sagte: Hey, can you help here? Just press in their hands.
Und schon hockte ich auf dem Boden und drückte eine Kinderhand nach der anderen in den Zement. Sogar die von Al, der meiner Meinung nach den schönsten Handabdruck mit sehr viel Wiedererkennungswert hat. Der Lehrer, der alles organisiert hat, war der Meinung, dass es zu kompliziert wäre, alle Initialen an die Abdrücke zu schreiben, worauf hin die Mütter sich aufgeregt haben.
"In 10 years they won't remember which handprint is theirs! The just want their name to be their. For prosperity.", sagten sie, nahmen kleine Stöcke und schrieben zumindest die ihrer eigenen Kinder (ich habe darauf bestanden, Al's zu schreiben.) Dann kamen uns die Raumlisten in die Hand und wir endeten damit, in alphabetischer Reihenfolge die Abdrücke jeder Klasse zu beschriften. Tatsächlich hat der Schulleiter heute morgen verkündet, dass nur ein Name falsch war. Am Ende gab es außerdem eine große Lücke, sodass einer der begeisterten Bauarbeiter sagte: "Cement will be wet for 15 more minutes, so have all teachers do a handprint and no worries." Ich liebe einfach den Gebrauch von No Worries in diesem Satz :)
So kam es auch, dass Kirstie und ich unsere Hand in den Zement drückten. Allerdings war er schon beinahe trocken, sodass ein kleines Mädchen meine Hand hin und her schob und der Abdruck so aussieht, als trage ich Handschuhe!

Der Sinn dieser langen Erzählung, ist um zu zeigen, wie die Eltern und Kinder zusammen arbeiten. Ein noch viel besseres Beispiel ist die treue dem kleinen Supermarkt gegenüber. Es sollte ein großer am Stirling Highway gebaut werden, der den Verkehr noch verschlimmert hätte. Schon so geschehen genug Unfälle. Gestern fuhren Flow und ich an einem vorbei, bei dem selbst eine halbe Stunde später, die Frau immer noch auf dem Lenkrad lag und laut Kirstie ist vor nicht allzu langer Zeit ein Auto in Flammen aufgegangen. Jedenfalls wurde eine große Unterschriften Aktion gestartet, um den kleinen Supermarkt zu unterstützen und sie haben gewonnen. Klingt das nicht wie in einem dieser amerikanischen Filme?
Der Mann im Supermarkt schenkt den Kindern Lollis, in der Bäckerei trifft Kirstie 10 andere Mütter, jeder kennt jeden und jeder hat Kinder im selben Alter. Jeden Freitag gibt es in der Schule eine Assembly, die immer von einer anderen Klasse geleitet wird. Da morgen frei ist, war sie schon heute und ich habe sie mir vergnügt angesehen.
Es war die Year 6 Assembly über die 20er Jahre in Australien. Sie haben historische Informationen geliefert und auch einige in tollen Kostümen nachgespielt. Es war enorm lustig, mit oft schwarzem Humor. Es wurden Koalas und Opossums erschossen, ein Pferd vergiftet, ein Krieg geführt, die Todesstrafe ausgehängt und die Harbour Bridge geöffnet. Einfach herrlich, wie viel Mühe sie sich gegeben haben. Als und Katies Assembly stehen noch aus und ich plane mir auch diese anzusehen.
So für heute war es das, denn ich bin müde und es ist schon nach Bettzeit (10 Uhr) für mich. Morgen wird ein langer Tag, da die Kinder keine Schule haben und ich zum Großteil allein mit ihnen sein werde. Abends gehe ich allerdings mit Flo und ein paar Au Pairs aus, worauf ich mich freue. Neue Leute kennenzulernen, ist immer schön.

Bis bald mit neuen Local News,
Flipper

Mittwoch, 21. August 2013

Gusto? Frusto!

Ich gebe zu, in der Vergangenheit durchaus überdurchschnittliche Ansprüche gehabt zu haben, was Unterkünfte im Allgemeinen angeht. Manche von euch werden das sicherlich bestätigen können...
Ich finde aber, dass ich in dieser Beziehung deutlich flexibler geworden bin und alles ein bisschen lockerer nehme!
Wie es das Old Swan Barracks aber geschafft hat, bestes Hostel in Western Australia 2012 zu werden, ist mir mehr als schleierhaft. Die Rezeption und der riesige Gemeinschaftsraum/-Saal sind schonmal recht einladend gestaltet - soweit so gut. Etwas rustikal und an manchen Stellen veraltet (z. B. Fenster, zieht wie Hechtsuppe), sind die Zimmer noch ok. Bei den Betten hat es sich dann aber schon erledigt! Die Matratze knickt sich sogar bei mir schon durch bis auf den Lattenrost und die Bettdecke STINKT wie sonstwas!
Während die Toiletten wirklich gut sind, lassen die Duschen umso mehr zu wünschen übrig. Die Türen total im Eimer, eine Menge Dreck und als Strahl ein Schluck Wasser aus der Kurve, hält sich der Spaß in Grenzen - aber Hauptsache man ist geduscht, da fühlt man sich gleich viel besser!
Der Klopper ist aber die Küche! Zunächst geht man sich an der Rezeption gegen Schlüsselpfand einen Topf und eine Pfanne holen und Geschirr gegen 10$ Kaution. Das finde ich an sich eine ziemlich gute Idee, doch sollte man nicht unbedingt funktionsfähiges Gerät erwarten.
In der Küche gibt es dann schließlich - eine Überraschung! Schubladen mit Gemeinschaftskochbesteck würde man meinen. Nix da. Auf einen kleinen Tisch geklatscht liegen vier stumpfe Messer, ein Nudelsieb, ein Pfannenwender der direkt umknickt, zwei Dosenöffner und eine Reibe. Basics wie zum Beispiel Öl zum Anbraten - Fehlanzeige :-(
Dementsprechend wurden meine Bratkartoffeln mit Ei kulinarisch nicht besonders wertvoll, und wären um Haaresbreite im Müll gelandet, wenn mir ein deutsches Pärchen nicht freundlicherweise ein paar Tropfen Öl und ein bisschen Pfeffer geschenkt hätte! Lecker war es danach trotzdem nicht, aber man konnte es im weiteren Sinne eine Mahlzeit nennen. Das Beste an meinem Dinner war der Joghurt zum Nachtisch. :-D

Auch wenn das ziemlich deprimierend klingt, ich komm klar, keine Sorge! Es ist eine neue Erfahrung und auch eine Herausforderung. Zudem lernt man jetzt erst die Vorteile der vorangegangenen Hostels kennen! In Scarborough zum Beispiel gab es einen Haufen Saucen und Gewürze für alle im Schrank, was mir erst jetzt so positiv in Erinnerung bleibt ;-) Auch die sauberen Bäder und die frische Bettwäsche weiß ich erst jetzt so richtig zu schätzen.


Macht's gut,
Lopaka


Dienstag, 20. August 2013

I'm looking for a hos-tel, baby this evenin', I'm lookin' for a hos-tel, baby tonight.

Herzlich Willkommen in Perth bei Nacht! (also jedenfalls ist es dunkel...)

Ich sitze vor dem Visitor Information Centre an der William St, dort gibt's Free Wifi, und um mich herum herrscht noch reges Treiben, auch wenn mir die Finger langsam kalt werden. Egal, Free Wifi ist Free Wifi!

Heute Vormittag bin ich aus dem Hostel in Scarborough ausgezogen und mit Stan ein paar Sachen erledigen gefahren. Dabei den Weg natürlich nicht immer gefunden oder die falsche Spur genommen, sodass sich das alles etwas hingezogen hat.
Für Angy hier noch das Du-weißt-schon-Wort: JOB! Du hast es wirklich durchschaut gehabt ;-) Aber jetzt kann ich stolz sagen, dass ich gestern fünf Bewerbungen verschickt habe, und gleich werde ich auch nochmal die Seek App (ja Shirin ich hab sie endlich, weil es hier ja Free Wifi gibt :P) durchforsten.

Zuerst mal die schlechten Nachrichten des Tages, damit ich nachher die guten besser im Kopf habe!
Vorgestern habe ich einem 'Paul' geschrieben, wegen einem Zimmer in seinem Apartment... Es schien auch erst ganz gut zu sein, doch die Antwort von heute hat mich ziemlich stutzig gemacht und meine Befürchtung bestätigt. Ein kurzes Zitat aus James Bond - Der Morgen stirbt nie 'Guptas Gesetz der Anomalie: Was zu gut klingt um wahr zu sein, KANN nicht wahr sein!'
Zuallererst kam er in seiner Mail mit dem Mietpreis mehrfach durcheinander - mal 600 pro Monat, dann 700 und zum Schluss wieder 600. Angeblich ist er 51, Schriftsteller und momentan bei seiner schwangeren Frau auf den Philippinen, und zwar bis Dezember 2014. Sein Englisch ist schon sehr schlecht, dafür dass er 'Australian Born' ist, und er wiederholt sich mehrfach.
Die Schlüssel für das Apartment kann ich am Flughafen beim DHL Office abholen, nachdem ich die Kaution überwiesen und den Vertrag unterschrieben habe - Sicherlich!

Nunja, da ich dachte, ich könnte Paul heute treffen und vielleicht schon einziehen (schließlich war das Zimmer ja frei), habe ich mir die Option auf ein Hostel für heute Nacht spontan offengehalten, und mich letztendlich entschieden im Auto zu nächtigen.
Eine Anfrage für ein anderes Apartment ist aber schon raus, und vermutlich werde ich dann morgen doch irgendwo einchecken, aber hey, es spart Geld und es ist eine Erfahrung!
Vom Parkplatz, wo das Auto steht (ca. 2,5km Fußweg vom Zentrum), hat man folgenden Blick auf die Stadt, und auf dem Weg sieht man in der Tat auch mal eine gewisse Schönheit dieser Kommune.



Jetzt aber zu den guten Sachen dieses Dienstags!

Stan ist umgemeldet!
Nachdem ich heute erst zum falschen Department of Transport gefahren bin (das war schlecht), und beim richtigen Office meine Nummer verpasst habe, weil ich den Parkschein verlängern musste (das war noch schlechter!), habe ich es im dritten Anlauf im General Post Office in Perth auf die Reihe gekriegt, das Purchasing Form einzureichen.
Im Post Office kann man hier sowieso so einiges machen, sogar die Theorieprüfung für den Führerschein, an einem Computer der mitten in der Filiale steht. :D

Poste Restante funktioniert!
Im GPO habe ich auch gefragt, ob Post für mich angekommen ist, und jawohl, meine Tax File Number (TFN) war da. 

Die Zentralverriegelung funktioniert wieder!
Ich kenne das ja von meinem Golf, dass die Zentralverriegelung manchmal total spinnt. Jetzt kann ich euch sagen: Australische Autos ärgern einen auch gerne damit. Gestern Abend ging Stan auf und dann sofort wieder zu, sodass man sich beeilen musste die Türe aufzukriegen. Nachdem ich heute dann alle Türen einzeln von innen geöffnet habe, ging alles wieder wie gewohnt :)

Wahrscheinlich kann ich mein Handy reparieren!
Für mein seit Tagen totes Handy naht Rettung! Nachdem ich wieder der Verzweiflung nahe war, als man mir in drei Elektronikshops und sogar einem Handy Repair Laden nicht weiterhelfen konnte, habe ich ein Phone Repair Center (es nennt sich Phone Ninja oder so ähnlich :D) ergoogelt, dass mit einiger Sicherheit meinen Handyakku haben dürfte. Klarheit darüber gibt es dann morgen.

So, und jetzt schaue ich, dass ich gemäß dem Cheap Tuesday noch was zu essen finde (vielleicht läuft es auch wieder auf den Subway 5$ Combo Deal hinaus :P).

Jetzt frieren mir aber die Finger ab, also macht's gut,
Lopaka

 

Montag, 19. August 2013

"Take off your shoes - she cleaned!"

Heute war ein sehr anstrengender Tag, mein erster Arbeitstag.
Schon einmal vorab: er hat 4 Stunden Powerputzen beinhaltet. Dementsprechend bin ich enorm müde und werde mich kurz halten (vielleicht findet ihr das aber auch gut ;) ).
Mein morgen hat um 7 Uhr mit Spülmaschine ausräumen begonnen. Ich möchte anmerken, dass ich sogar vor Kirstie auf war :P Eigentlich verbringt man hier den gesamten Tag nur mit abspülen und abtrocknen. Frühstück vorbereiten, Vorbereitungsgeschirr spülen, Frühstücksgeschirr spülen. Lunch vorbereiten, spülen, spülen. Afternoontea vorbereiten, spülen, spülen. Früchtesnack vorbereiten, spülen, spülen. Abendessen vorbereiten, spülen, spülen, spülen.

Dazu kam noch, dass Al und James einen eher unangenehmen Husten hatten heute morgen (ich schwöre, die meisten Huster waren gespielt, aber nachts hat man die beiden gehört und die Schule hatte einen Brief geschickt, kranke Kinder nicht mehr zur Schule zu schicken.) Da Katie trotzdem hin musste, war sie natürlich traurig - nichts jedoch, was ich mit einem hübschen Flechtzopf und einer Privatfahrradtour zur Schule nicht regeln könnte.

Mit den Jungs waren wir dann eine halbe Stunde mit Lizzy spazieren, damit ich weiß, wie ich das in den nächsten Tagen mache und dann ging es los für mich. Bäder, Oberflächen, Spiegel, Böden. Die laut Plan dreistündige Prozedur hat mich 4 gekostet, weil ich noch nicht so eingespielt bin wie Kirstie, die Zauberfrau. In ihrem Leben würde ich untergehen. Im Plan, den ich unten anhänge, könnt ihr mal meine Routine nachlesen, wenn ihr mögt ;)

Diese hat Kirstie mir ja gestern geschickt und sie hat mich ordentlich schlucken lassen. Als ich dann noch einmal wegen etwas nachgefragt habe meinte sie: "Oh, I totally forgot! I didn't mean for you to just read it and me not saying anything. It does look a bit daunting, but don't worry." Ja meine Familie sagt tatsächlich nicht "No worries". Kein einziges Mal bisher. Auch "Oh my god" und "like" wird den Kindern hier verboten. Sie sollen, so wie ich, "oh my gosh" sagen und like so oder so nicht. Stattdessen sage ich immer mehr "No worries". Jedes Mal nämlich, wenn Kirstie sich dafür bedankt, dass ich meinen Job mache.

Während ich Powergeputzt habe hat Kirstie die Jungs noch mit zum Friseur genommen. Längere Haare standen James zwar viel besser, jedoch hingen sie ihm viel zu tief in die Augen. Armer Junge. Noch ärmer, weil er später draußen auf dem Trampolin gefallen ist. Das aufgeschlagene Knie brachte ihm eine eigentlich verbotene Runde Fernsehen ein ;)
Ich habe Katie geholt und mit ihr und ihrer Freundin Alexandra (ein lautes, selbstgefälliges, will-alles-sehen-und-kontrollieren-und-zu-allem-meinen-senf-abgeben Mädchen) Monopoly gespielt. Und den Jungs natürlich. Ich war richtig froh, als Alexandra abgeholt wurde, sodass ich nicht mehr so tun musste, als fände ich sie nett. Doch, mit meinen Kids hier habe ich richtig Glück!

Ziemlich bald war dann auch Florian da, den Kirstie freundlicherweise zum Essen eingeladen hatte. Und! ER HAT STAN MITGEBRACHT! Glaubt mir, ich bin unglaublich aufgeregt über mein erstes Auto! Am Wochenende werden wir mal den ganzen Kram darin durchgehen und dann darf der Florian mir auch mal meine gut bezahlten Schlüssel aushändigen :P Wir können es kaum erwarten unsere ersten Touren in ihm zu unternehmen. Außerdem könnte es sein, dass wir am Freitag mit ein paar Au Pairs rausgehen. Das wäre natürlich auch schön.

Die Dinge scheinen zusammen zu kommen. Wir haben unser Auto, Flo hat von einem Typen mit ner schönen Wohnung zurück gehört und ich habe ihn auf einen Jobsuche Marathon angesetzt, mit einer Menge evtl passender Angebote! Wir haben auch schon erste Pläne, wie einen einstündigen Ausritt, der über die Hälfte reduziert ist und den wir bei wärmerem Wetter wahrnehmen wollen. Da sein Geburtstag auf einen Sonntag fällt, peilen wir an für das Wochenende auf jeden Fall wegzufahren. Wenn wir es vorher also nicht tun, steht das Datum.

Vor dem Essen wurde jedenfalls auch Florian in Cricket eingewiesen. Allerdings nur für eine kurze Zeit. Danach haben wir Speederbattles gemacht, Handstände geübt und wieder wild abgedanced. Das Abendessen war wie immer unglaublich delicious und dann haben wir Flo das Kartenspiel Presidents & A.... äh, Bottoms beigebracht, was laut ihm dem deutschen A... Popo spiel ähnlich ist.
Nachdem die Kids im Bett waren gabs mal wieder nettes Geplaudere mit Kirstie. Florian hat sie auch längst ins Herz gewonnen.

See ya mates,
Flipper




Sonntag, 18. August 2013

Closer look at the homezone

Heute hat es zum ersten Mal seitdem wir hier sind nicht geregnet, also habe ich das, sagen wir akzeptable,  Wetter genutzt, und mich mal in die andere Richtung von Scarborough, also Richtung Strand aufgemacht.
Dabei hat sich rausgestellt, dass dieses Städtchen sogar über einen Coles verfügt, wo ich mich in aller Ruhe für das Abendessen eindecken konnte! Ich habe Nudelauflauf gemacht, natürlich doppelt so viel wie man essen kann, aber tapfer habe ich dann doch die ganze Auflaufform leergegessen :D (sogar ich  fühle mich jetzt mal gesättigt :P). Außerdem habe ich Spinat-Ricotta-Blätterteig-Taschen abgestaubt für 1$ , das hat sich schon nach einem Highlight angefühlt, wo man doch sonst immer ein Vermögen fürs Essen ausgeben muss!
Am Strand waren Unmengen Surfer unterwegs, ich frage mich wie das hier in der Hochsaison aussieht... Ich habe mir ein Plätzchen gesucht und wollte im Internet nach WGs suchen, doch wie schon öfter in den letzen Tagen hat mein smartes Phone nach kurzer Zeit den Dienst versagt. -.- 
Also die SIM Karte ins iPad und das Handy mal  genauer anschauen - der Akku ist 'aufgeblasen', ich glaube so gesund ist das nicht :-/
Habe in der Stadt direkt neben dem Kino aber einen 'Battery Stop' ausfindig gemacht, vielleicht kann ich da günstig einen neuen Akku bekommen und hoffe, dass es sich dann erledigt hat!!!

Mit Musik in den Ohren den Surfern zuzusehen, hat vom Soundtrack her schon ganz gut gepasst. An sich sieht es hier aber nicht anders aus als an anderen Stränden:


Morgen um zwölf kommen Annett und Ben hierher und wir machen die Fahrzeugübergabe. Anschließend fahre ich die beiden noch zu ihrem Hostel, was meine Premiere im Linksvekehr sein wird :-S (aufregend!)!


Auf bald,
Lopaka

Sydney Song = Australia Song?

Tommy und Martina, die Schmuseschweden mussten meistens sehr früh arbeiten. Mindestens einmal in der Nacht wachte ich also auf zu dem sanften Tönen "Lately I've been I've been loosing sleep, dreaming about the things that we could be. Lately I've been I've been praying hard -" und dann hatte Tommys Hand den Wecker erreicht. Auch während des Tages lief das Lied ein paar Mal und seitdem hat es sich als permanenter Ohrwurm in mein Hirn festgesetzt. So viel Information vorab.
Der Tag heute war prinzipiell sehr schön. Um acht Uhr habe ich mit Alastair Pfannkuchenteig vorbereitet (und versehentlich 2 Cups anstatt Teaspoons sugar reingetan, worüber wir gelacht haben. Dann habe ich den Zucker akribisch wieder abgehoben.) und Katie und er haben diesen dann gebacken, bevor es zum Soccerfeld losging, das direkt neben dem See ist. Anders als das Wetter vorhersagte, war der Himmel klar und sonnig und lieferte damit beste
Vorraussetzungen für ein gutes Spiel und zum Herumalbern für Katie, Al und mich.




Mit Katie komme ich ohnehin gut klar, denn sie freut sich über ein weiter Mädchen im Haus. Als Herz habe ich heute auch gewonnen, denn er hat sich einen Speeder (ein Kampfflugschiff) zugelegt - mich.
Sprich, er springt auf und wir rasen los, um Bob (dreiköpfiger Ganove) zu jagen, der in allerlei Formen auftritt. Zuerst war er Katie und bei einem großen Baum musste der Speeder erstmal tanken, bevor er auf die neue Bobverkörperung, Al's Dad, zusteuern konnte. Es macht Spaß, aber ich musste dem fantasievollen Al auch beibringen, dass dem Speeder schnell das Benzin ausgeht und dass er außerdem ein Flugmeterlimit pro Tag hat, da er sonst kaputt geht.



James hat das Spiel leider verloren, aber er konnte später mit zwei Jungs auf der Straße spielen, während ich Katie einen Cheerleadingtanz beibrachte, um den sie mich den gesamten Tag anbettelte.
Dann wurde ich in Cricket eingewiesen. Hier ein Zitat von Bill Bryson über Cricket:
It is the only sport that incorporates meal breaks. It is the only sport that shares its name with an insect. It is the only sport in which spectators burn as many calories as players -- more if they are moderately restless. It is the only competitive activity of any type, other than perhaps baking, in which you can dress in white from head to toe and be as clean at the end of the day as you were at the beginning.
Für den vollen, lustigen Auszug über diese Sportart: http://www.cricketfansforum.net/showthread.php?t=7311
Es lohnt sich ;) Jedenfalls hat mich das Spiel nicht besonders in den Bann gezogen, abgesehen von der komischen Art es zu spielen. Das Werfen des Balls - balling - begibt sich so, dass der baller seitlich steht und zu einem Rad ansetzt (ja, wie beim Turnen). Der Ball wird mit den drei ersten Fingern der Wurfhand gegriffen, man richtet sich in Sternposition aus, verlagert das Gewicht auf den hinteren Fuß, wobei der vordere sich in die Luft hebt und man hinter seinem vorderen Arm vorbei guckt. Dann schnellt man vor, verlagert das Gewicht genau anders herum und macht eine Windmühlenbewegung mit dem Wurfarm, den man nicht knicken darf und wirft in der Tat dem batter genau vor die Füße, den man versucht die poles hinter ihm zu treffen. Laut den Walkers war besonders mein erster Wurf excellent, aber ich komme mir dabei doch ziemlich albern vor.
Mit der Bedienung und dem Essen, das Kirstie liefert, werde ich jedenfalls nicht aufwarten können. Während wir gespielt haben, hat sie allen möglichen Käse, Gemüse, etc geschnitten, damit damit Wraps gemacht werden können, aber eigentlich essen alle, was sie wollen. Alastair isst Baked Beans, Katie ist Cracker, Kirstie isst Salat, James und Brett essen ein Brötchen und na ja, ich habe einen Wrap gegessen.
Nach mehreren Runden Uno Attack gab es Abendessen. Roast Chicken, Erbsen, Kartoffeln und Möhren aus dem Ofen für die Familie. Für mich Kartoffeln und Möhren aus dem Ofen mit Marokkanischen Gewürzen und Kichererbsen. Ja ja, Kirstie. Nur geschnittenes Gemüse, aber wenn ich das mache schmeckt das niemals so perfekt. Ich habe mir mehrmals nachgenommen. Und der selbstgemacht Brotpudding (heiß) mit Schokoeis (kalt) am Ende ist auch so fantastisch, dass man da unmöglich mithalten kann, geschweige denn annähernd an solche Leistungen herankommt. Fabelhaft, aber beängstigend. (Sowieso schreibt Kirsite mir gerade eine Übersicht für die nächsten Wochen und ich habe "Take host to appointments if necessary." und das klingt schon irgendwie ziemlich formell.) Unten sehr ihr Lizzy und Totty. Beide sehr lieb.




Beim Abendessen haben wir uns nett unterhalten, bis James ihr Playmobilschloss erwähnt hat, dass sie nicht mehr haben, woraufhin Kirstie sagte: "Some Tunisian kids are probably having fun with it."
Ich fragte, ob sie es in Tunesien gelassen hätten und warum.
"No, we didn't.", sagte James. "Someone... took it."
"Oh no, it was stolen?", fragte ich überrascht. Wer geht schon hin und stiehlt mal eben ein Playmobilhaus?
"It's a while ago.", beendete Katie gelassen das Thema, doch James sah ein wenig bedröppelt aus und Brett legte ihm mitfühlend die Hand auf den Arm und sagte. "Hey mate, it's alright."
Später half ich Brett beim abspülen, während die anderen irgendwo herumtollten.
"I guess Kirstie didn't tell you the story.", sagte er leise zu mir.
"We were in Tunisia when the revolution started. They broke in our house and we had to carry the kids out. They burned it down."
In dem Moment hatte ich plötzlich einen riesen Kloß im Hals und wusste nicht, was ich sagen sollte außer "I am so sorry." Was sagt man sonst, wenn man so etwas erfährt? 
"The worst are the pictures. I made three copies but they were all in there and now we have pictures missing from two years." Und das ganze ist erst zwei Jahre her. Der Gedanke daran lässt mich danken für die behütete Kindheit, die ich hatte. Danke Mama und Papa und Omas und Opas, Geschwister und Onkels, dass ihr so gut auf mich aufgepasst habt.
Katie bat mich um Musik, also riet ich ihr Counting Stars anzumachen. Hört euch das Lied an und sagt mir, dass es euch nicht mitreißt. In Null Komma nichts stand ich mit den Kids im Wohnzimmer und habe um den kleinen Tisch herumgetanzt. Zwischendrin habe ich sie ins Bad geschickt und Al kam mit seiner Zahnbürste heraus, der kleine Spaßvogel. Hat sich verhalten wie ein richtiger Rocker. Danach lief noch Pompeii. Solltet ihr auch hören und dazu ein bisschen abspacen.Auch beim erneuten Abspülen habe ich fröhlich getanzt und ich glaube auch Brett und Kirstie hatten gute Laune.
Gerade hat sie mir allerdings meine Routines für morgen und die nächsten Wochen geschickt und es klingt alles sehr stressig und bedrohlich und ich habe erneut Angst, das alles nicht hinzubekommen. Laut Plan steht morgen schon mal Haus putzen an und kochen und ich habe noch keine Ahnung, was ich zum Abendessen vorbereiten soll.
Morgen also News zum ersten Arbeitstag, wenn ich nicht zu K.O bin!
Liebste Grüße,
Flipper

Samstag, 17. August 2013

Stan ist unser Third Wheel

Es war einmal ein Auto namens Stan, das sehnte sich nach einem neuen Besitzer. Da kamen zwei arme Backpacker vorbei, die sich seiner annahmen und ihrem Herzen einen Schubs und Stan ein neues Zuhause gaben... ;-)

Heute waren wir in Fremantle und dort mit Annett und Ben verabredet, um ihren 1992er Ford Falcon anzuschauen.
Der erste Eindruck war gut, kein Rost, von ein bisschen Flugrost rund um den Tankdeckel einmal abgesehen. In dem Ritzen hängt überall ein wenig Staub aus dem Outback, doch innen sieht es wahrlich wohnlich aus! Keine siffigen Sitze oder fusseligen Fußmatten, im Gegenteil nur ein paar altersbedingte Gebrauchsspuren an Lenkrad und Armaturen. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn Stan ist ja kein Greenhorn mehr, hat schon Lebenserfahrung gesammelt.
4.0 l, 6 Zylinder, 4-Speed-Automatik, 201 PS.
Von der technischen Seite habe ich alles nach besten Wissen abgedeckt... Auspuff schwarz? Öl schwarz? Öl im Deckel schleimig? Rost an der Karosserie? Reifen? Bremsen? Zahnriemen? etc. pp.
Bei der Probefahrt gab es keine verdächtigen Geräusche, die Stoßdämpfer (hinten Plattfedern) machen beim Fahren noch einen guten Eindruck.
Samt der ganzen Ausstattung bestehend aus Campingkochplatte, Matratze, Schlafsäcken, Gardinen, Stühlen, Tisch, Atlanten, Geschirr, Töpfe, Werkzeug schien uns das für 2300$, umgerechnet etwa 1800€ ein akzeptabler Deal zu sein. Ich war da naturgemäß erstmal etwas skeptischer als Shirin, die die Leute nett und somit auch das Auto ein Stück besser fand :P Nett sind sie aber wirklich, keine Frage!
Montag um zwölf ist Übergabe und ich freue mich schon darauf, endlich ein paar Runden zu drehen :)


Soviel zum Auto, die restlichen Ereignisse des Tages fasse ich aus Zeit- und Müdigkeitsgründen diesmal nur ganz kurz zusammen, richtig Spannendes ist heute ohnehin nicht passiert:

Überall leckeres Essen in den Fremantle Markets zu vermeintlich unbezahlbaren Preisen — klebrige Lemon Sugar Cinnamon Crêpes — Ladenschluss samstags unerwartet um fünf — Subway 5$ Combo Deal.


Viele Grüße von
Lopaka


P.S.
Wieso das Auto Stan heißt, konnten uns Ben und Annett auch nicht sagen, sie haben ihn damals auch schon unter diesem Namen gekauft. Die Tradition führen wir aber gerne fort ;-)

Freitag, 16. August 2013

What's wrong with you Germans?

Actually, I was... Oh Verzeihung, ich habe gerade English Flow, nachdem ich mich eine Dreiviertelstunde lang mit Jim dem Japaner unterhalten habe, der jetzt mein einziger Roommate ist, weil der Deutsche heute morgen ausgezogen ist.
Wir haben ein bisschen über Australien, Japan, Jobs und Autos gequatscht und es war ein sehr gutes Gefühl, auf Englisch einfach mal loszubrabbeln. Wenn ich Zeit habe, update ich den 'New places, new faces' Blog mal, denn ich konnte Jim so einiges aus der Nase ziehen :)

Heute morgen war er jedenfalls schon weg, als ich um halb zwölf aufgestanden bin, ich weiß auch nicht was da mit meiner inneren Uhr los ist.
Nett wie sie ist hat mich Shirins Host Family doch glatt mittags abgeholt, um mir den Bus zu ersparen und uns in der Stadt abzusetzen. Damit nicht genug, haben sie nicht nur nach Hostels für mich geguckt, sondern gleich auch nach WG's (wie Nadine auch, dankeschön :)) und Jobangeboten (auch an Angy ein Dankeschön)! Ich finde das extrem nett aber es macht mir auch ein schlechtes Gewissen, wobei der persönliche Vorteil irgendwie überwiegt.
Jedenfalls sind wir dann an drei verschiedenen Hostels vorbeigetingelt, um mal einen Blick hineinzuwerfen, ehe uns Kirstie und Brett in Northbridge rausgelassen haben. Wir sind dann noch zu zwei Hostels gelaufen, eines davon war das Old Swan Barracks, welches schon mehrfach mit irgendwelchen Best... of WA Preisen ausgezeichnet wurde, wie mir der 'Wirt' mehrmals nahelegte.
Auf meine Frage, ob ich mich kurz mal umschauen dürfte (die erste Hostelerfahrung war, dass man Fotos gegenüber eher misstrauisch sein sollte ;-)), fiel die Reaktion irgendwie unerwartet aus.
'So where are you from?' - 'I'm from Germany' - 'Ah Germany, what's wrong with all the Germans that they always want to see the rooms before booking?'
Ich hatte ihm das dann kurz erklärt und wir haben angefangen uns zu unterhalten, was ich denn so mache und wie lange ich in Perth bin. Ich hatte mich anfangs schon über den Akzent gewundert, und tatsächlich stellte sich der Mate als Berliner Schnauze heraus :D
Vor siebzehn Jahren ausgewandert nach Norwegen, dann Neuseeland und schließlich vor fünf Jahren Australien. Zitat: 'Ick hab Deutschland in all den Jahren immer wieder ne Schangse jejeben, aber jedet Mal hamses irjendwie verbockt!' Interessante Bekanntschaft, auf alle Fälle, und auch schon viel rumgekommen der Mann! Sein Ratschlag zum Schluss war: Du hättest das deutsche Denken zu Hause in Frankfurt lassen sollen! Oder lass es in deinem Rucksack und hol es erst wieder raus wenn du zurückfliegst! Hier ist alles viel mehr Easy Going...
Recht hat er, das deutsche Denken kann ich nicht verleugnen, aber Schritt für Schritt passt es sich an, bloß eine Frage der Zeit. Schließlich gibt es wirklich eine Menge, wovon man sich eine Scheibe abschneiden sollte, und ich hoffe, ein bisschen davon im Mai mit in die Heimat bringen zu können.
Das Old Swan ist zumindest im Moment mein Favorit, auch wenn ich am Liebsten die Flatshare Idee umsetzen würde!

Meine erste Bewerbung ist übrigens heute aus technischen Gründen gnadenlos gescheitert, es kann also nur besser werden. 
Ich wollte mich bei der City of Stirling als Canteen Assistant bewerben, die Bewerbung musste aber bis heute, vier Uhr nachmittags eingereicht werden, samt Resume und Cover Letter. Den hatte ich in der Eile noch ganz gut verfasst bekommen, doch konnte ich die PDF Dateien nicht im Application Form hochladen (Danke Apple). Ein Anruf zur Abklärung, ob aus besagten Gründen auch per Email eingereicht werden darf, lief am Ende auf ein Mail Delivery System Error heraus :-(. Vermutlich hat die nette Mrs Phelan meine Email nie erhalten... Byebye Canteen Assistant, Fulltimejob bei 23$ pro Stunde.

Wie Shirin schon geschrieben hat, treffen wir uns morgen in der Stadt und fahren nach Fremantle. Dort soll es einen schönen Markt geben und außerdem haben wir ja unsere erste Autobesichtigung am Start.
1992er Ford Falcon Wagon (mindestens 3.0l V6 Motor :))) ), um die 200.000km und mit jeder Menge Campingausrüstung für 2300$ negotiable, also Verhandlungsbasis. Ehrlich gesagt bin ich etwas misstrauisch was das Alter und die technische Wartung angeht, aber das wird sich alles morgen zeigen und ich bin schon sehr gespannt.


See you later,
Lopaka

Rain will make a rainbow.


Wie recht ich doch mit dem Schlaf hatte. Heute ging es mir schon viel besser! - selbst wenn ich mir noch immer Sorgen wegen des Jobstarts am Montag mache. 
Um 7 bin ich aufgestanden, um beim Frühstück dabei zu sein und die Kids mit zur Schule zu bringen. Morgens habe ich auch Brett kennengelernt. War natürlich prima im Pyjama und mit wilden Haaren. Aber er ist sehr nett und lustig und surft und golft gerne. Mit Kirstie und ihm war ich heute auch in Kings Park, wo wir einen schönen Ausblick über die Stadt hatten, bis es anfing zu regnen und wir uns in ein Cafe gehockt haben. Weil die beiden ein paar Sachen zu erledigen hatten, haben Flo und ich entschieden in die city reinzufahren und schwuppdiwupps steht Kirstie an ihrem ipad und sucht nach Hostels in Northbridge. Außerdem haben sie angeboten Flo abzuholen und uns in die Stadt zu fahren. Diese Menschen sind zu nett, da habe ich schon Angst den Job nicht perfekt zu machen.
In den Hostels haben wir jedenfalls Nummern von Autoverkäufern von den Boards mit genommen und sind gleich mit ihnen in Kontakt getreten. Ein Mädchen verkauft ihren Ford Falcon mit einer Menge Ausrüstung und wir treffen sie morgen, wenn wir in Fremantle sind.

Northbridge soll nachts ein eher hartes Pflaster sein, aber sonst ist es ganz cool mit einer Menge Restaurants und Cafes! Außerdem ist es sehr nah zum Center und damit zum wohnen für Flo gut geeignet.
Jedenfalls sind wir bei der Suche nach einer Toilette über ein kleines Theater gestolpert - The Blue Room - in dem selbstständige Künstler auftreten und wir überlegen das Stück Trampoline anzusehen. In das leckere Dim sim restaurant dort um die Ecke wollen wir beizeiten auch noch. Während wir hier sind gibt es drei vier Festivals über die ich mich informieren möchte und sobald es wärmer wird, soll hier mehr los sein und dann lohnt sich ja auch der Strand mehr!
Freitagabend ist hier Movieabend, aber ich hatte es mir familiärer vorgestellt. Die kleinen haben nur irgendeinen enorm schlechten Film geguckt und dabei selbstgemachte Pizza gefuttert. Hm. Kirstie ist heute abend nochmal tanzen, bevor sie Ende nächster Woche die OP hat.
Achja, Brett hat mich heute Auto fahren lassen! Ich war sehr nervös, aber außer zweimal den Scheibenwischer statt den Blinker anmachen lief es ganz gut. 
Gerade habe ich auch noch ein bisschen mit Brett geplaudert. Er hat mir gezeigt wo wir überall hinmüssen an den wochenenden und sollten Flo und ich bald das Auto haben, ist das ja auch kein Problem :)
Über das Geplaudere habe ich alles andere vergessen, was ich sagen wollte. Es hat weniger geregnet! Jans Pulli will ich immer noch :P

Heute in der Stadt haben wir einen coolen laden gesehen und ich wollte ihn gleich für Lucy leerkaufen. 

Ein zwei photos von meinem Zimmer har ich auch gemacht ;) 


Die Bilder haben die kleinen mir gemalt. Total süß! Und porridge gabs heute morgen, das war auch lecker :).
Na ja, ich quatsche mal weiter ;)

Küsse, 
Flipper

Ps: jetzt weiß ich wieder, was ich noch schreiben wollte! Schließlich habe ich heute meine ganz eigene Buserfahrung gemacht. Zuhause ankommen wollte ich eigentlich um 5, doch glücklicherweise hatte ich Kirstie schon gesagt, dass das nur das angepeilte Ziel ist und es später werden könnte. Den Busbahnhof fanden wir an der Stelle, die Brett mir auf der Karte gezeigt hatte. Er ist gleich neben der großen Baustelle für den neuen Hafen am Swan River, der so ähnlich wie Darling Harbour werden soll. Das Verhalten am See ist generell ein bisschen wie in Sydney nur kleiner und weniger spektakulär. 3 Wasserwege können einen darüber transportieren und eine der kleinen Fähren hält am Zoo auf der anderen Seite - genau so ist es ja auch mit Taronga.
Jedenfalls sieht man den Busbahnhof gleich neben den Treppen zur Trainstation, allerdings sieht man nicht sofort, dass die Busse eher schlecht zu erreichen muss. Der Bahnhof an sich ist abgesperrt. Man muss daher erst eine Treppe hoch in ein Gebäude, dass auch in ein großes Gebäude auf der anderen Straßenseite führt. Anstatt nach rechts bogen wir nach links ab und stiegen wieder eine Treppe hinunter. Dort standen in der Tat Busse, doch auf der großen Anzeigetafel waren für die nächste Stunde keine 102, 103 oder 104 angezeigt. Vermutlich mussten wir eine Haltenstellenreihe weiter, doch auch diese wurde durch Zäune abgegrenzt. Dabei war ich doch in Eile!
Wieder hoch die Treppen zur großen Anzeigetafel. 102 - E1 - 15:15.
Oh gut! 15:15, das ist ja nur in zwei Minuten. Oh gut! Busbahnsteig E ist am Ende des Gebäudes. Treppe runter. Oh prima! E1 ist ganz hinten. Also rannte ich zum dort stehenden Bus, stieg ein und fragte keuchend: "can i buy the ticket in here?" (Wir erinnern uns an prepay in sydney.) "yeah, $ 2,80." puh.
Der bus fährt den mir schon bekannten Weg entlang des Flusses/Sees und vorbei am Kings Park und dann kommen wir in die Suburbs. Nach der Bibliothek musste ich aussteigen. Ich hielt zwar Ausschau, aber vielleicht nicht gut genug und dann war da plötzlich die Commonwealthbank mit dem Drive Thru, an dem wir Flo hatten rausspringen lassen. Aus irgendeinem Grund hatte Kirstie gesagt, ich könne dort durchgehen in Richtung zuhause. Lieber mal aussteigen und dann beim Nachfragen herausfinden, dass die Library 2 Stationen weiter ist, ("Niedelends Leibrerry? Go streit end dont törn!", erklärte der spanische oder so Student mir.) und so hatte ich noch ein bisschen was zu laufen, doch Kirstie, Brett und ich lachten über meine Verspätung und sie lobten mich dafür, überhaupt zurück gefunden zu haben. 
Das praktische an den Bussen ist das CAT system mit dem man innerhalb der City (also im center) kostenlos fahren kann.

Donnerstag, 15. August 2013

Final Destination

'Iwen in winter it's värry hott in Perrs', hatte Marc uns auf der Fahrt zum Flughafen noch mitgeteilt (er war so freundlich, nachdem sich herausgestellt hatte, dass kein Bus und kein Zug mehr fuhr). Kann ich spontan nicht bestätigen. Als wir aus dem Terminal kamen, schlug uns der Regen waagerecht ins Gesicht, und die Temperaturen erinnerten eher an tiefen deutschen November!
Umso besser, dass Kirstie auch mich mitgenommen hat, und nicht nur ihr AuPair. Sonst hätte ich im wahrsten Sinne des Wortes wie ein begossener Pudel dagestanden.
Noch besser wurde es, als Kirstie mir angeboten hat, mit zu ihnen zu kommen zum Lunch - Dieses Gefühl, nach einer Woche mal wieder etwas ganz Vernünftiges zu essen, richtiges Brot (!), Gemüse, Salat - köstlich! Nur Vegemite, typisch australischer Brotaufstrich aus Hefeextrakt, hat meinen Geschmack nicht so sehr getroffen. Sieht ein bisschen so aus wie Rübenkraut, schmeckt aber ganz und gar anders, ein bisschen sauer und (mir) nicht gut!

Schließlich hat sie mich auch bei meinem Hostel abgesetzt, und von da an ging alles los.
Das Einchecken verlief schonmal sehr freundlich, Robyn (ich glaube das ist ihr Name), hat mich einmal kurz rundgeführt und mir das Zimmer gezeigt. 
Die Gemeinschaftsräume sehen wirklich bequem aus und auch die kleine Küche passt irgendwie ins Bild. Um zum Zimmer zu kommen muss ich erstmal durch den Hof (bei Wind und Wetter), am Bad und der Toilette vorbei hin zu meinem 'Gartenschuppen'. Schön ist es da nicht gerade, aber man hat die Ansprüche ja reduziert, das ist nicht das Problem. 
Viel störender ist, dass die Leute die ich bisher gesehen habe nur sehr eingeschränkt bist garnicht kommunikativ sind. Einem konnte ich in der Küche Name und Herkunft (Mitchell aus London) entlocken, den anderen geht wenn überhaupt ein 'Hey mate' über die Lippen, wenn man ein 'Hi' in die Runde wirft. Vielleicht mit ein Grund, dass ich Montag wieder ausziehe, davon abgesehen dass ich mir die Entfernung mit dem Bus schlichtweg nicht leisten kann. 8,40$ hin und zurück und das jeden Tag geht auf die Dauer nicht gut. Mal sehen was sich hier noch so entwickelt.

Jetzt aber Schluss mit den Formalitäten! Das Abenteuer des Tages kommt ja noch.
Man nehme zunächst mal einen Bus Richtung Innenstadt. 'That's 4,20$ mate, here you go'. Interessant, wie jeder zweite Fahrgast beim Aussteigen 'Thanks mate' nach vorne ruft, das gibt dem Ganzen direkt einen viel schöneren Touch.
Nunja, in Perth angekommen bin ich blind drauf los gelaufen, durch Fußgängerzonen, Einkaufsstraßen verschiedene Shopping-Malls. Bei den vielen Ein- und Ausgängen habe ich mich letztendlich so sehr verfranst, dass ich nur mit Mühe wieder zum Busbahnhof gefunden habe. Erstes Zwischenfazit: Perth ist als Stadt nicht so schön und unkompliziert wie Sydney!
Hin und her ging es zwischen Ticketinfo, Automat, Bus und Underground. Streckensperrung hier, Ersatzverkehr dort, überfüllte Busse und lange Schlangen - beliebt hat sich Transperth heute nicht unbedingt gemacht.
Nach einem längeren Zwischenstop bei Woolworth's (in der Eile Kirsties Regenschirm stehen gelassen :-/) noch so gerade eben den Bus bekommen, fühlte ich mich eigentlich sicher, dass nichts mehr schief gehen kann.
Doch wie Shirin schon einmal angemerkt hat, ist das Haltestellensystem nichts für Fremde! Im Dunkeln habe ich die Haltestelle selbstverständlich übersehen und mich irgendwann darüber gewundert, der Einzige im Bus zu sein. So richtig in den Keller ging die Laune erst, als ich mich auf einmal im Transperth Depot wiederfand. Ich hatte mit dem Schlimmsten gerechnet, jetzt im Regen noch einen langen Marsch ins Hostel anzutreten, ohne zu wissen wo ich war.

Aber wie hat Erik mal gesagt? 'Unterschätzt die Freundlichkeit der meisten Australier nicht'. Die hat mir  heute den Abend gerettet! Ohne großes Zögern hat mich die Fahrerin nach Feierabend zurück nach Scarborough gebracht, Gott hab sie selig!!!
Wir haben uns nett unterhalten, über Sydney und Perth und über Work and Travel, und dann hat sie zum Schluss gesagt, 'No worries mate, see you later', obwohl sie nicht mal meinen Namen kennt und wir uns nie wieder sehen werden... Verrückte Aussies :P


Ein Hoch auf meine Busfahrerin,
Lopaka


Umschwung der Gemüter

Es ist 10 Uhr abends und nach einer nahezu schlaflosen Nacht vor verschlossenen Flughafentüren liege ich im durch eine Wärmflasche vorgeheizten Bett.
Als Kirstie uns vom Flughafen abholte goss es in Strömen, als haben 500 Riesen im Himmel gerade ihre Badewannen über uns gelehrt. Zwischendurch legte sich der Sichtnehmende Regen, dann fuhren wir auf den Fluss zu und sahen einen grauen Schleier darüber hängen. Bald genug fuhren wir geradewegs in den Weltuntergang hinein. Es regnet immer boch, es regnet hier schon seit 4 Wochen, und im Haus war es eben so kalt, dass ich Fleecepulli und Schal getragen habe.
Kirstie hat Florian noch zum Lunch bei uns eingeladen, der mir absolut himmlisch vorkam! So viel auswahl, frisches obst un gemüse und richtiges Brot! Nachdem wir Flo weggebracht haben, hab ich ausgepackt. Im zimmer gibt es viel stauraum, was gut ist, denn aufgrund des wetters müssen noch ein paar strumpfhosen und ein warmer Pulli dazu. 
Die kids haben wir um kurz nach 3 an der primary school abgholt, wo ich gleich drei weiter aupairs getroffen habe. Viel Zeit zum Reden war allerdings nicht. Die Kinder sind auf jeden Fall unheimlich süß und haben sich riesig über die Geschenke gefreut. JamesTrikot passt wie angegossen und er ist direkt im Alemannia Aufzug eine Runde mit mir Kicken gegangen und später zum Rugby. 
Vorher gab es aber noch Kanadische Waffeln mit nutino (wie nutella) drauf, die enorm lecker waren! Während die jungs beim rugby waren habe ich mit Katie Hausaufgaben gemacht. Dabei ist die kleine Hündin Lizzy an einem Sprung auf meinen Schoß gescheitert. Später bei meinem Nickerchen hat sie sich allerdings in meine Arme gekuschelt und auch eben vorm "Feuer" hat sie es sich bei mir gemütlich gemacht.
Zum Abendessen gab es leckeres Fischstirfry. Achja und Brett, den Dad hab ich noch nicht kennengelernt. Er ist von der Arbeit aus direkt zu einem Weintasting gegangen. Laut Kirstie ist sein SocialLife sehr aktiv und voll mit Terminen.
Zum Einschlafen habe ich den Jungs ein Buch vorgelesen und mich dann mit Kirstie aufs Sofa gesetzt und ein bisschen gequatscht.
Ihr merkt vielleicht, dass obwohl alles ganz gut klingt, ich nicht so ausschweifend schreibe wie sonst und auch nicht so begeistert. Im Moment geht es mir weniger gut. Ganz wohl fühle ich mich noch nicht und mir fehlt Sydney und das Hostel. Vor allem fehlt mir Florian. Ich fühle mich sehr einsam hier, hoffentlich hat er Lust morgen mal runter nach Fremantle zu fahren. Kirstie hatte das vorgeschlagen.
Jedenfalls konzentriere ich mich heute Abend darauf, die Tränen zurück zu halten. Jetzt ist so ein Moment in dem ich mir ein Tshirt von Jan wünsche, in das ich mich kuscheln kann und ich bereue zutiefst, dir keins gestohlen zu haben.
Vielleicht wird eine Portion Schlaf auch alles besser machen.
Bis morgen hoffentlich,
euer trauriger aber hoffnungsvoller Flipper!

Mittwoch, 14. August 2013

Aufgesaugt und Ausgewrungen

Hallihallo zwitschern die australischen Vögel, die natürlich niemals einfach normal sein können. Entweder sie sind knallebunt, haben einen Iro, einen überdimensionalen krummen Schnabel oder eine ganz sonderbare Singmelodie.



Ich entschuldige mich schon einmal vorab über die euch bevorstehende grässliche Rechtschreibung aber mit Florians iPad komme ich kaum zurecht und er hat heute mein MacBook, um endlich das benötigte RSA zu erwerben.
Heute gibt es von uns leider kaum Fotos, da wir zwar früh aufgestanden sind (um 9), aber uns den ganzen Tag nur am Strand haben rösten lassen. Zu warm war es des Windes wegen nicht, aber da ich weiß, dass der Wind die Sonne nicht mindert habe ich mich gründlich eingeschmiert und den Großteil meiner Klamotten anbehalten. Florian hat auf die ihm verhasste Sonnenmilch verzichtet und dich trotzdem ohne tshirt der Sonne entgegengestellt, um an seinem Teint zu arbeiten.
Nach dem Standardbesuch bei Woolworth (nach der großzügigen 5$ Pizza bei Domino's kamen uns Birne, Wheatbites, bananabread und eklige Aprikosenmarmelade sehr traurig vor) brachte uns die Buslinie 380 nach Bondi Beach.
Busfahren hier ist die absolute Hölle. Die Busse sind hässlich, kalt, laut und ruckeln. Welche Haltestelle man gerade anfährt, wird nicht angezeigt und steht auch nur ganz klein auf den Bushalteständern! Das bedeutet, dass man als Fremder eigentlich erst weiß wo man ist, wenn man schon steht und dann darf man aufspringen und aus dem Bus hetzen. Außerdem sind es prepay Busse, was heißt dass man sich das Ticket vorher (in unserem Fall am Bahnhof) abholen muss und bitte, bitte beschwert euch nie wieder über deutsche Buspreise! Ich sage nur $9 noch was für die Strecke.
Das war es jedenfalls schon zu unserem Tag. Bei unserer Rückkehr durften wir erst einmal ordentlich lachen, als wir Marc beim Sopranos gucken im Bett erwischten. Darauf hatten wir eine halbe Wette gehabt.
"Eif binn Aut!", beteuerte er und dass er gerade erste zurückgekommen sei und eine neue Folge angefangen habe. Da mussten wir noch mehr lachen.
Weniger gefreut habe ich mich über seinen Kommentar zu Florians Sonnenbrand-Check auf meinem Gesicht.
"Mähn, ju will bi fockt wähnn ju go t pärth." Sein Vorschlag zu meiner Rettung war einen jumpsuit zu kaufen, oder jeden Tag in Sonnenmilch zu baden. Beides weniger reizvoll.
Unseren letzten Sydney Tag werden wir mit einem Abendessen beenden, denn Florian will seinen Coupon für KFC einlösen. Für mich ist das weniger etwas, aber ich find schon was zu essen.

So sehr ich mich auf das neue Abenteuer in Perth freue, so wenig würde es mich stören hier zubleiben. Ich nenne dieses Hostel mittlerweile zu Hause, oder nach Hause und ich verstehe, was Marc uns ganz zu Anfang gesagt hat, dass Großstädte einen einsaugen und nicht mehr gehen lassen wollen, auch wenn er selbst heute seinen Rückflug nach Glasgow bucht, weil er dort in der Uni angenommen wurde.
Mir wird Sydney mit seiner Ganzheit fehlen. Es gab keinen Tag an dem mich nicht eine Welle unerwarteter Zufriedenheit und Aufregung überschwemmt hat. Auch das Hostelleben wird mir fehlen. Verschiedene Menschen, an denen man Tag für Tag vorbeiläuft. Man sagt "hey whats up?" und erzählt  einander knapp vom Tag. Mit unseren Zimmergenossen Tommy, Martina und Marc haben wir uns am Besten verstanden und spannende, aufschlussreiche Konversationen gehabt. Man lernt aber auch immer jemand Neues kennen, erfährt mehr über andere Länder und die Erlebnisse der verschiedensten Menschen. Von jedem bekommt man Tips und lernt dazu. Ich habe das Gefühl, niemand hat den Verlauf seines Abenteuers bisher bereut. Hier hat jeder die Möglichkeit, das Erlebnis zu haben, das einen erfüllt und das richtig für einen ist. Für die vielen neuen Eindrücke muss man sich einfach öffnen und sie in sich aufsaugen.
Jetzt müssen wir alles, was wir aufgesogen haben ein bisschen Filtern, auswringen, sodass nur die guten, wichtigen Bestandteile erhalten bleiben. Fliegende Männer, die unfreundliche Blondine aus unserem Zimmer und die Heroinspritzen-Mülleimer können weggeschwemmt werden, weil sie von keiner Wichtigkeit sind. Sie machen Platz im Schwamm für neue Erfahrungen und weitere Sinnesfluten, die morgen beginnen.
Für Florian und mich geht es unterschiedlich weiter, aber nicht wirklich getrennt. Wir sind gespannt.

Tausend Küsse :*
Flipper


P.S.
Freut euch, dass euch die Rechtschreibung erspart geblieben ist! Es war wirklich eine Tortur, das alles zu berichtigen. Schließlich hab ich ja das MacBook besetzt in der NSW State Library, wo's Free WiFi gibt und ich mein RSA angefangen habe (Responsible Service of Alcohol). Die ersten 4 Sektionen sind bestanden, die zwei übrigen erledige ich gleich am Flughafen.
Wir haben uns nämlich entschieden, schon heute Abend auszuchecken und die Nacht am Flughafen zu verbringen. Um fünf Uhr Aufstehen und zum Airport fahren wäre garantiert schief gegangen!

Das Beste oder Nichts,
Lopaka