Von außen sieht das Elephant Backpackers überhaupt nicht einladend aus. Eine Gruppe falschgeglaubter Junkies, die eigentlich nur stinknormale Raucher sind, begrüßen einen, wann immer man eintreten will vor der Tür. Nach rechts geht es gleich in die Küche, nach links in einen Aufenthaltsraum mit Fernseher. Im Eingangsbereich befindet sich außerdem ein Lift, der seit heute wieder funktioniert und eine kleine Sofaecke mit Vendingmachines. Daneben die steile Treppe zu den Zimmern und ein schmaler Gang der ins Elephant Cafe führt, in dem zwei Franzosen arbeiten, die wir flüchtig kennengelernt haben. Geradeaus von der Tür steuert man auch den Empfangstresen an. Dort begrüßten uns eine pikierte sehr junge Frau und ein lässiger Kerl, der ständig seine Musik runter drehen musste, wenn jemand anrief, und ansonsten eigentlich nichts tat.
Unsere Pässe wurden eingescannt und dann kam es zum ersten Problem: Flo und ich waren auf ein Zimmer gebucht worden (213), Andrea und Veit jedoch in zwei unterschiedliche! (212 und 113) Bei dieser Neuigkeit kamen erst einmal keine Glücksgefühle auf. Ihre Begründung war ein Lauf der von Bondi Beach bis irgendwo anders stattfand am Samstag und Sonntag, und wegen dem das Hostel schon seit längerem komplett ausgebucht war (interessanterweise habe ich noch niemanden von diesem Lauf sprechen hören). Da Andy und Veit eh nur bis Montag gebucht hatten, nahmen sie die Unannehmlichkeit in Kauf und uns wurden 20 Dollar als Kaution für den Key abgenommen, sowie je 5 Dollar pro Person für den Shuttle, der sich als Horrortrip erwies, weil der Fahrer gerne Gas als auch Bremse benutzte. Sehr vertrauenserweckend.
Die Schlüssel in der Hand war Zimmerauskundschaften angesagt. 213 liegt am Ende des Ganges und war komplett dunkel, als wir reinkamen. Wir dachten auch es sei leer, bis wir einen Kerl mit nacktem Oberkörper in seinem Bett direkt neben der Tür entdeckten, der an seinem Laptop einen Film guckte. Überall auf den Betten lagen Kleidung und Wertsachen, keiner der Schränke war abgeschlossen und vor einem der unteren Betten hing ein Laken. Schnell lernten wir, dass auch dieses Bett keinesfalls leer war, sondern mit einem Kerl und einem Mädel gefüllt war, die über irgendetwas kicherten und Schwedisch sprachen.
Beide unsere Betten sind oben, sodass man gut Handtücher oder nasse Kleidung von den Gittern hängen lassen kann.
Überhaupt ist unser Zimmer eigentlich von Schweden bewohnt. Der eine - Tommy - ist schon zwei Monate hier und hat die anderen drei Schwedinnen erst vor zwei Wochen kennengelernt. Mir ist das gar nicht aufgefallen, denn sie verstehen sich sehr gut. Unseren unbekleideten Computerfreund habe ich bei seinen ersten Worten als Schotten enttarnt. Jetzt verstehen wir uns immer besser mit den Mitbewohnern, hatten eine Unterhaltung mit Tommy und wurden von einer sympathischen Blonden um Rat wegen ihres Outfits gefragt. Sie geht mit anderen Schwedinnen und ein paar Engländern in einen unglaublich teuren Club (Ivy glaube ich), in den der reguläre Eintritt ca 50 Dollar kostet, sie haben allerdings Tickets für 25. Der Club ist 5-stöckig mit einem Rooftop-Pool und ich bedauere es sehr, dass wir Donnerstag schon abreisen, denn da wäre der Eintritt kostenlos gewesen.
Die richtige Kleidung hätte ich allerdings nicht dabei gehabt. Warum man mindestens 4 kleine schwarze und zwei Paar High Heels als Backpacker braucht, verstehe ich erst jetzt.
Jede Frau braucht allerdings einen so freundlich ehrlichen Kumpel wie Tommy, der unserer Mitbewohnerin in die Augen sagt, dass ihr Kleid viel zu kurz ist und sie wie eine Hure aussieht. Kabämm! Das arme Mädchen. Ich habe ihn etwas freundlicher in seiner Meinung bestärkt und Florian hat sich auch in der Beratung versucht. Tipp von Tommy dem Schweden an alle Männer: “Don’t say you don’t care about your friends outfit, because you do care! You want her to look beautiful so you can brag with her, but you don’t want her to look slutty, because others are not supposed to stare.”
Tipp an alle Frauen von Tommy dem Schweden: “Go for cute but elegant. It’s better than looking slutty and if you still want the slutty touch you can dance slutty without looking it.”
Ein sehr unterhaltsamer Mensch also.
Die Toiletten unisex, jedoch alle in einem einzelnen kleinen WC mit Waschbecken. Auf unserer Etage funktioniert die Männerdusche nicht, weswegen Florian dem Tipp folgen musste, lieber eins höher duschen zu gehen und nicht eins tiefer. Bei uns “Ladies” hat die ganz linke Dusche kein Schloss, die mittlere nicht wirklich Druck und wechselt ständig die Temperatur, dafür powert die rechte ordentlich - wodurch sie immer besetzt ist, wie zum Beispiel von den beiden Schmuseschweden.
Zwar wollten Florian und ich am ersten Abend einen gemütlichen Blogschreibe-Abend machen, stattdessen wurden wir aber von Veit gefragt, ob wir uns nicht noch mit ihnen nach unten setzen wollen. Gefragt, getan und ich landete in einem gemütlich aussehenden Sessel in dem der Boden fehlte, sodass ich beinahe komplett darin verschwand. Entweder hatten die anderen schon vorgetrunken, oder wir brauchten länger als gedacht, um runter zu gehen, jedenfalls hatten Andrea und Veit schon einiges hinuntergekippt, was nachher in einem umgekippten Becher enden musste.
Eins nach dem anderen. Auf Andreas Zimmer (212) wurde ein Bett frei, sodass Veit doch dort einziehen konnte und sie Johannes, einen weiteren Deutschen, kennenlernten. Der saß mit ihnen unten im Fernsehzimmer und hat von seinen Erfahrungen erzählt, denen wir gerne zugehört haben. Dazu gab es “goon”, billigen Weißwein (eigentlich auch der billigste Alkohol, der hier erhältlich ist) in einem Schlauchbeutel in einem Karton. Das wirklich tolle an der Sache ist der zum Kissen aufblasbare Schlauchbeutel. Wir haben es mit dem goon seeeehr viel langsamer angehen lassen und waren dem “ins Bett kotzen” nicht einmal annähernd nah.
Generell war an dem Abend allerdings jeder besoffen außer uns und Johannes - zumindest gefühlsmäßig. Vielleicht der auch, das kann ich nicht so einschätzen. Alex beschreibt es als ein familiäres Beisammentrinken, anders als in einen Hostelclub gehen und viele fremde Menschen treffen. Muss man eben entscheiden, was einem lieber ist. Ich kann nur sagen, dass es gestern nicht wenig war, aber auch nicht so exzessiv, dass ich es als unangenehm empfunden hätte. Alle haben sich nett verhalten, wenn es auch etwas laut war zwischenzeitlich.
Die Küche wollten wir zwar heute benutzen, allerdings wurden uns Fish & Chips geschenkt, womit sich das auch erledigt hatte.
Jetzt relaxen Flo und ich auf meinem Bett, während sich die Schmuseschweden unter uns unbemerkt ausgezogen haben. So abgeneigt ich dem Elephant zu Anfang war, finde ich es jetzt gar nicht so schlimm wie gedacht und auch wenn Veit und Andrea Montag umziehen wollen, würde ich mich glaube ich dagegen entscheiden, wenn wir nicht eh länger gebucht hätten.
Bei einem Hostel mit Toplage (noch keinmal die U-Bahn benutzt) und solchen Preisen konnte man auch kaum Luxus erwarten. Es hätte schlimmer sein können. Zwar schließe ich meine Wertsachen immer weg, habe bisher aber auch von noch keinem Diebstahl gehört, obwohl hier alles lose rumliegt und die Tür den ganzen Tag offen stand. (Johannes hat sich wohl Tommys Tablet ausgeliehen, sodass der erstmal überrascht war, aber sofort auf John seinen “little brother” getippt hat, der sich heute auch an Tommys sausages bedient hat.
So viel zum Hostel in den ersten zwei Tagen. Mal sehen, was noch so geschieht.
Beste Grüße,
Flipper und Lopaka
Flipper und Lopaka
ps: Gerade habe ich von kuriosen Kästen im Männerklo gehört, die für infektiöse Dinge gedacht sind. ..... Spritze -hust!- ......
pps: Unser Stadtteil ist Woolloomooloo, was Schafklokuhklo bedeutet. Schön :)


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