Sonntag, 11. August 2013

P. Sherman, 42 Wallaby Way, Sydney



Findet Nemo hat es sich da doch recht einfach gemacht: ein Wallaby Way direkt am Hafen? Danach sieht es auf der Karte eher nicht aus, das müssen wir allerdings persönlich noch genauer investigieren! Am Darling Harbour waren wir nämlich noch nicht.
Unser erster Ausflug startete gestern Abend nach Sonnenuntergang (enorm früh, während die Sonne auch schon früh aufgeht). Mit Veit und Andrea sind wir durch den angrenzenden Park losgezogen mit dem Opera House als übergeordnetes Ziel. Unser Weg führte uns vorbei an der NSW State Library und einem Museum und direkt durchs Bankenviertel.
Unser erstes Ziel vor allem anderen war Essen. Ohne jegliche Insiderinformation gelangten wir bei McDonald’s an das günstigste Angebot und vermeintliches Free Wifi, welches um keinen Preis laden wollte. Dort über eine Karte gebeugt fand uns Bob, der Banker von Westpac.

“Can I help you?”, fragte er mit sehr australischem Akzent und pulte sich erst einmal Essen zwischen den Zähnen hervor, sah sonst aber ganz nett aus. Wir erklärten ihm, wir seien auf der Suche nach einem Supermarkt und zeigten ihm die Location unseres Hostels auf der kleinen Karte.
“Ah, close to Kings Cross where I live. There is a Woolworth right there!”, sagte er und tappte auf die Karte, wobei er ein paar Fettflecken hinterließ. “Open 24/7. It’s the way to go if you want to be safe!” Ein weiteres Chicken Nugget fand den Weg in seinen Mund.
Veit machte schnell einen Kringel um den angegebenen Punkt, der vielleicht 20 Minuten Fußweg vom Hostel entfernt lag.
“I had a bad day at work.”, warf unser Bob zudem in den Raum. Wir vier warfen uns vielsagende Blicke zu, weil ihn doch eine leichte Fahne begleitete.
“Where were we? Oh, you are looking for a supermarket.” Geschäftig lehnte er sich erneut vor und rückte immer näher zu Andrea.
“Right here-” Er deutete auf eine Straße in Kings Cross. “is a street and there, right at the circle actually, is a Woolworth. Where do you guys stay?” Gütigerweise zeigte Veit ihm erneut unser Hostel.
“Then go here, yes. It’s the safe way, open all night!” Heftiges Nicken, um seine Aussage zu bestätigen. 
“Wow, thanks.”, sagte ich freundlich, um die Wiederholungsschleife abzuschließen. “Do you have a secret tip for us? Somewhere we should definitely go?”
“Darling Harbour.” Achso. Sehr geheim. Noch nie von gehört. Allerdings gab er uns einen anderen Tipp:
“Don’t behave like tourists. Find the people who you think like. Just think if I went to Munich who would I want to ask where to go? Who would tell me the right spot. I want to help you guys. I just want to bag you up and take you home and show you everything. But I have to go back to work.”

“So where do you work?”, erkundigte ich mich in sein Gemurmel hinein.
“At a bank.”
“Which one?”
“Westpac.”, erneutes Nicken und noch ein McNugget. “Went for lunch and never back.”
Wir fragten, ob er gekündigt habe und auf sein “Nein”, ob er gefeuert worden sei.
“No, no. My client invited me to lunch.”
“And got you drunk?”
“Yeah.”
“And you are still drunk?”
“Devily drunk!”, antwortete er lachend. Alright. Die McNuggets waren aufgegessen und er verabschiedete sich. Draußen sahen wir ihn dann noch einmal am Telefon und beim Gedanken an unser Hostel, fragten wir uns, ob wir nicht auf sein Angebot hätten eingehen sollen. Oder zumindest nach seinem Namen fragen sollen, denn die traurige Wahrheit ist: er heißt nicht einmal Bob.



Die funkelnden Lichter innerhalb der Stadt sahen schon so schön aus, aber als wir am Circular Quay vorbeikamen wurden sie in den Schatten gestellt.
Funkelndes Wasser, dahinter die schwebenden Lichter der Harbour Bridge und der vielen Hochhäuser und zur rechten die angestrahlten Segel des Opera House. Dorthin zog es uns, entlang der Promenaden Bars aus denen Musik plärrte und von der Schönheit des Anblicks in den Bann geschlagen. Denn während wir die Stufen zu Sydneys Wahrzeichen erklommen schlug uns die Wahrheit ins Gesicht.
Wir sind in Sydney. In Australien am anderen Ende der Welt, wo es Winter ist, der trotzdem warm ist und der Ort an dem wir 9 Monate verbringen würden. Nun fast. Der ganz letzte Fakt hat uns immer noch nicht erreicht glaube ich und vielleicht wird er das auch nicht so richtig. Vielleicht gleiten wir einfach hinein ins Abenteuer.
An unserem ersten Abend hat uns das Opernhaus jedenfalls einen festen Tritt ins eiskalte Wasser verpasst. Wir marschierten die Treppenstufen hinauf, vorbei am Restaurant mit blitzblank geputzten Fenstern an den Rand des Gebäudes.
“Hah, die Kacheln sehen aus wie im Badezimmer meiner Großmutter.”, stellte Veit belustigt fest. Dann zählten wir bis drei und legten alle eine Hand auf die hellen Steine. Fragt mich nicht, ich weiß es ist schrecklich geeky, aber der Moment hatte doch etwas ganz besonderes, aufregendes.
Auf dem Rückweg gingen wir keinen Umweg, denn es war verhältnismäßig kalt geworden. Deswegen machten wir keine Schlenker durch die Stadt, sondern wanderten am Royal Botanic Garden vorbei in Richtung Domain, wo unser Hostel steht. Aus früh schlafen gehen wurde nichts, wie ihr im Elephant Backpackers Post lesen könnt. 

No worries,
Flipper und Lopaka

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