Wir hatten überlegt, dass wir den Tag mit einer Kayaktour in den in der Nähe liegenden Mangroven beginnen. Also leihten wir uns nach einem leckeren Frühstück ein Kayak aus und unser Abenteuer auf dem kambodschanischen Fluss nahm seinen Lauf. Unser Boot wartete sehnsüchtig auf dem kleinen Strand am Ufer des Flusses, das Heck im Wasser. Ich entschied mich hinten zu sitzen, also musste Shirin das Kayak ins Wasser schieben. Das klang nach einem Plan. Also schon sie mich rein, das heißt ins Wasser, nicht aufs Wasser, sodass ich direkt den Po im Wasser hatte. Ich dachte, es würde besser, wenn Shirin vorne im Boot sitzt. Weit gefehlt, während der Bootsrand bei mir knapp 2 cm über dem Wasser lag, schwebte Shirin fast in der Luft. Naja, zumindest hatte sie einen Abstand von gefühlten 10 cm zum Wasser. So paddelten wir den Fluss aufwärts zu den Mangroven vorbei an badenden Büffeln. In den Mangroven erwarteten uns weit weniger Tiere, als wir erwarteten hatten. Keine Wasserschlangen, keine auffälligen Fische oder schwimmenden Tiger. Das musste geänderte werden. Also sprang Shirin kurz entschlossen aus dem Kayak ins kühle Nass und hieß mich es ihr gleich zu tun. Doch mein Erfahrungsschatz gebot mir erst nachzudenken, denn mir war klar, ins Wasser zu kommen würde nicht das Problem sein, sondern die Rückkehr aus dem Wasser ins Boot. Doch vor seiner Tochter mag man nun nicht als Spasbremse erscheinen. Also ließ ich mich elegant in den Fluss gleiten. So schwammen wir einige Zeit munter hin und her und genossen es sichtlich. Doch über aller unverdorbenen Freude schwebte eine dunkle Wolke der Vorahnung. Es musste der Augenblick kommen, in der ich meinen Platz im Boot wieder finden musste. Ich bat Shirin, sich an eine Seite des Kajaks zu hängen, während ich mich vorsichtig auf der anderen Seite hochzog. Das klappte zunächst recht gut, bis ich bäuchlings auf dem Kayak lag und mich nicht drehen konnte, weil zum einen die Gefahr des Kenterns bestand und zum anderen ich mich hätte mit dem rechten Knie auf dem harten Plastik hinknien müssen, wovor ich mich arg scheute. So zappelte ich einer Walross-großen, auf dem Rücken liegenden Schildkröte gleich auf dem Boot rum, nur, dass ich auf meinem Bauchlag. Der geneigte Leser wird nun natürlich denken, dass mein Fräulein Tochter mir zur Hilfe eilen und mir aus der misslichen Lage heraus helfen würde. Doch weit gefehlt. Sie lachte! Nein, nicht ein verschämtes Lächeln beiseite, oder ein unterdrücktes Lachen, weil sie weiß, was sich gehört, nein, sie lachte lauthals in die Mangroven hinein, sodass, wenn sie nicht die Pflanzen gewesen wären, sondern schneebedeckte Berge, die Welt die größte Lawine erlebt hätte, die es je gegeben hat. Quasi die Mutter aller Lawinen. Nach einiger Zeit und Überwindung gelang es mir alleine die bewährte Sitzposition im Boot zu erlangen. Allerdings nicht ohne dabei den Kayak, den wir noch vor meinem Einstiegsversuch umgedreht und vom Wasser befreit hatten, wieder mit Wasser zu befüllen, sodass wir auf unserer weiteren Fahrt ein Popobad genießen konnten.
Im weiteren Verlauf entschieden wir uns, in die unwägbaren Gebiete der Mangroven einzudringen. Das Wasser stand still. Unser Boot, "Tiger Lilly", kämpfte sich über Treibholz nach vorne und bahnte sich langsam aber doch stetig seinen Weg durch den Dschungel der Mangroven, genau so wie ein russischer Eisbrecher im Polarmeer. Eine unheimliche Stille umhüllte uns. Nichts war zu hören als der Einstich der Paddel in das dunkle Wasser und unser leises Keuchen ob der Anstrengung in der schwülen Hitze Kambodschas. Plötzlich änderte sich das Bild. Zu unserem Linken waren alle Pflanzen verbrannt als hätte ein gigantischer Drache ausgeatmet. Unser Mut verließ uns allmählich und als wir dann auch noch mitten in der schwarzen Einöde einen seltsam anmietenden Berg erblickten, der von Laub bedeckt war, entschieden wir uns, umzukehren und möglichst schnell das Weite zu suchen. Mit einiger Mühe wanden wir uns aus dem Labyrinth der Mangroven heraus und fanden zurück auf den Fluss, nicht ohne von einer ohrenbetäubend tschilpenden Grille verabschiedet zu werden.
Gez.: Tiger
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