Stanley bezieht sich in diesem Fall nicht auf unseren Ford, sondern auf mein neues Zuhause: Stanley Street, denn endlich finde ich Zeit über meine australische Familie zu schreiben.
Wenn ich sage "Zuhause", dann meine ich Zuhause. Die Situation ist ganz anders, als in Amerika. Ich fühle mich hier wohl, zögere das nach Hause kommen nicht heraus, habe nie ein schlechtes Gewissen, wenn ich dem Alltag nachgehe. Wie selbstverständlich kümmere ich mich um die Wäsche (entweder weiße Wäsche, oder alles andere), falte die Wäsche der Kids und bitte sie dann, diese einzuräumen.
Zwischendurch fege ich den Boden, wische den Tresen, denn wenn ich es nicht tue, tut es niemand und ich hasse es, wenn Krümel oder ähnliches an meinen Socken kleben bleiben. Gestern habe ich James und seine Freunde auch erst einmal zurecht gewiesen, als sie mit schlammverschmutzen Schuhen durchs halbe Haus trampelten, wobei ich Montag erst geputzt hatte. Die Disziplin: Schuhe aus beim Reinkommen, oder nächstes Mal wischt er.
Alastair ist allerdings ziemlich hilfreich, so hat er sich gestern entschieden, die Matschspuren gegen ein kleines Taschengeld eigenhändig vom Teppich in seinem Zimmer zu saugen.
Damit komme ich zu den Kids. Alastair William ist der jüngste mit seinen sechs Jahren. Im November wird er sieben und hat mich schon begeistert zu seinem Geburtstag eingeladen. Es sieht als so aus, als würden Flo und ich zumindest bis zum 1. November hier bleiben. (Sowieso habe ich keine Lust Halloween in der Wüste zu verbringen ;) ). Al hat eine wahnsinns Fantasie: Toast und Baked Beans sind natürlich Fliegeneier auf Muskelfilet und sein Regenschirm ist eine praktische Waffe. Später möchte er Erfinder werden. Alastair spielt Rugby und will auch mit Fußball anfangen, doch auf meine Frage, ob er mit Bram spielen möchte, sagte er: "Hm, naaah. He is more of a sporty guy and I am a make up guy!" Es macht ihm nichts aus, einen Tag lang Katies "Sklaven" zu spielen, wenn er dafür einen ihrer Lollis bekommt und er liebt elektronisches Monopoly! Außerdem rennt er gerne ohne Tshirt rum. Durch seine fehlenden Vorderzahne lispelt er ein bisschen und aus seinen rs werden ws. Aus seinem Mund heißen wir also "Shiwin" und "Flowienn."Seine Energie ist unermüdlich, so geht er am meisten ab, wenn ich Musik aufdrehe und sein Tanzmoves sind zum schießen!
Was diese Dinge angeht, ist James Jonathan Edward ein bisschen verhaltener. Er ist kein großer Fan von Kuchen und sagt zu sußem öfter mal nein, ganz anders als seine Geschwister. Fur Sport ist er Feuer und Flamme, egal welcher wirklich. Seinen Vater spannt er oft genug für Cricket im Garten ein, hasst es Fußball zu verpassen und prasentiert jedem stolz seine Fußball Trophae. (Mein Laptop hakt ein bisschen wegen dem Videos und macht Umlautterror ;) ) Seit acht Wochen spielt James Gitarre und er liebt es! Seine Lehrerin ist ziemlich jung und spielt in einer Band, sodass sie moderne Musik spielen und ö¨f¨të¨r¨auch einfach nur jammen. Seine Band später wird naturlich James and the Yetis heißen. Außerdem ist er manchmal ein bisschen goofy. Wenn er Geschichten erzählt und sich verhaspelt schüttelt er den Kopf und macht ein komisches Geräusch und wenn er etwas cooles erzahlt, wedelt er auf einmal mit den Armen in der Luft und solche Dinge. Er ahmt gerne Akzente nach und kann auf Deutsch, Französisch und Irisch bis zehn zählen. Im Prinzip glaube ich, dass er und Jan sich richtig gut verstehen wurden! In letzter Zeit benimmt er sich vor allem morgens sehr gut. Im Null Komma Nichts hat er sich angezogen, gefrühstückt, ja sogar schon Zähne geputzt und seinen Lunch weggepackt. Manchmal fällt er einem dann doch auf die Nerven, mit irgendwelchem Unfug, aber in den letzten Tagen hat er stattdessen Gitarre geübt, oder gelesen.
Kate Francis ist ein absolutes Schleckermaul. Wenn wir backen, versucht sie immer heimlich mehr Zucker oder Schokolade in den Teig zu schmuggeln. Mit ihren Datteln heute morgen war sie auch nicht zufrieden, sondern wollte sich ein Stück Kuchen abschneiden, was ich ihr verboten habe (das gab mal wieder Stress, doch später mehr.) Sie ist ein sehr aktives Mädchen, mit viel zu viel zu tun. Sie spielt Geige, Hockey, macht Calisthenics, PEACs (ein Sonderprogramm der Schule, wodurch sie einmal pro Woche aus dem Unterricht genommen wird und dadurch noch mal mehr Hausaufgaben oben drauf bekommt), sie spielt im Orchester und arbeitet dazu noch hart in der Schule. Klingt nach einem Musterkind, doch es macht sich bemerkbar. In letzter Zeit ist sie enorm cranky, zickt herum, fühlt sich ständig falsch behandelt und provoziert alle. In mir hat sie wohl eine große Schwester erwartet und hasst es jetzt, wenn ich Regeln aufstelle und durchziehe. (Sie sollte froh sein, dass ich nicht ihre Schwester bin, wenn ich daran denke wie fies Jenny und Nadine damals waren, wenn sie mir die Türen ins Gesicht geknallt haben :P ). Ihre Stimme wird schnell schnippisch und arrogant, sie erwartet Sonderbehandlung von allen und ist sehr hinterlistig. Erst heute habe ich darüber mit Kirstie gesprochen und glücklicherweise sind Cali und Hockey nach diesem Wochenende vorbei, sodass Katie wieder mehr Freizeit hat und Dinge tun kann, wie einen Apfelstrudel mit mir backen, was ihr viel Spaß gemacht hat.
Ein bisschen Sonderbehandelt muss sie auch werden, da sie Gluten nicht besonders gut verträgt und dadurch schon mal anderes Frühstück bekommen muss etc. Allerdings verlangt sie morgens einerseits nach glutenfreien Waffeln und isst dann nachmittags einfach einen Tigerbun und tut so, als sei das Gluten kein Problem. Ich sage ja, sie ist ein bisschen schwierig im Moment.
Dennoch merke ich, dass sie sehr an meinen Lippen hängt und Dinge mit mir unternehmen möchte. Es ist ihr wichtig zu wissen, was ich mache und so achte ich immer darauf ein gutes Vorbild zu sein ;)
Florian lieben die Kids alle, sowie Uno, Monopoly und Ps and As spielen.
Ihre Konversationen sind oft genug zum schießen! Einmal im Auto haben sie von der Senior School gesprochen, auf die sie gehen werden.
Al: "Yeah, and then no one can bully you because you have a girlfriend."
James: "Dude, it's good to have a girlfriend."
Al: "No! It's gross! Eww!"
Katie: "When you are older, you will want to have a girlfriend. Just wait."
Da sieht man wie süß und unschuldig Al noch ist, während Kirstie mir heute offenbarte, dass die den Talk schon in Tunesien mit James hatte, während Katie mit verschlossenen Ohren wegrennt.
Baden kann keiner von ihnen leiden und so gibt es immer Streit darüber, wer zuerst in die Wanne muss. Ich persönlich fänd es ja besser, wenn sie duschen würden, denn dann wäre die Badewanne nicht immer so dreckig.
Kirstie hat die OP, weil irgendwas in ihrem Fuß kaputt war, sodass sie klar kam, aber nicht wandern oder Sport machen konnte, was ihr doch sehr fehlt. Sie liebt gute Bücher und Tee und isst konsequent kein Gluten, weil sie sich dadurch besser fühlt.
Ich komme sehr gut mit ihr zurecht und scheue mich überhaupt nicht, ich selbst zu sein. Auch sie ist ganz offen und erzählt von ihren Reisen, ihren Exfreunden und ihrer Familie und ist immer interessiert an dem, was ich selbst zu erzählen habe. Sie glaubt außerdem, dass ich dazu bestimmt war in diese Familie zu kommen.
Sie hatte wohl mehrere Interviews mit Au Pairs, die alle schief gegangen sind und das Interview, das sie nach mir hatte, war mit einer Spanierin, die sie kaum verstehen konnte. Bei mir hätte es einfach geklickt meinte sie. Auch, als ich gestern richtig frustriert wegen Florian war (warum spielt schon keine Rolle mehr) ,meinte sie "Just go outside and have a scream." Also nicht das möglichst leise Spiel wie bei Audrey und Scott. Ich habe mich auch nicht geschämt, als ich mich später zu ihr und Brett vor den Fernseher gesetzt habe, ihnen zu gestehen, dass ich gerade mit Musik in den Ohren und Laptop auf dem Arm im Wohnzimmer abgedanced habe, um wieder gute Laune zu bekommen.
Sowieso scheue ich mich gar nich, ehrlich zu sein, wenn etwas schief gegangen ist. Brett und ich formen einen Komplott. Er ist absolut gegen das Hotel Mama und als ich gestern beim Risotto, die Tomatensoße erst vergessen und dann hinterher gekippt habe, war es für mich kein Thema, ihm das Missgeschick zu beichten. Brett hat nur gezwinkert und meinte leise "Just let the Thermomix go for a little longer. Once it cools off the liquid will set anyway." Auch hat er den Kühlschrank revolutioniert, den Kristie gerne vollstopft, mit den Worten "Now I can chuck what I want Kirstie, because you can't chase me." (Chuck wird hier oft verwendet für "throw away"). Der Kühlschrank ist natürlich l¨ngst wieder voll mit den Monsterbestellungen bei Coles Supermarket, die jeden Dienstag kommen.
Für eine Entrümpelung des Gefrierfaches bin ich Brett auch ziemlich dankbar.
Mit ihm komme ich auch gut klar, denn wir können uns prima unterhalten. Er erzählt mir viel über Australien, aber wir diskutieren auch ernstere Themen, wie Politik, den Unterschied der Kinder und Kindheit heutzutage, die "Generation Maybe" (inspiriert von Nadines kürzlichem Post bei Facebook) und solche Dinge. Außerdem bemüht er sich immer sein Deutsch zu üben und wirft Wörter ein. "Yeah, we don't have a Zentralheizung." Solche Sätze klingen dann immer wie eine Frage und ich nicke bestätigend. Wenn er die Kinder austricksen will, spricht er auch Deutsch mit mir, aber ziemlich brüchig.
Er ist ziemlich sportlich, fährt jeden Tag in seinen Bikershorts zur Arbeit, geht öfter mit Freunden raus und hat angeboten, mir mal ein bisschen Surfen beizubringen, wenn es wärmer wird.
Kirstie und Brett animieren mich auch immer rauszugehen. Fragen, wohin wir Trip unternehmen wollen und ob ich nicht einem Jazztanzkurs beitreten will. Das ist ziemlich nett und so fühle ich mich auch wohl, wenn ich außerhalb meiner Arbeitszeiten, die Zeit tatsächlich für mich nutze.
Ich freue mich auch, dass Kirstie zufrieden mit mir ist. Das bekomme ich besonders mit, wenn ich sie mit ihren Freundinnen sprechen höre. Ich sei "lovely to have in the house", "very considerate", "good with the kids", "handling it well. When Katie pushes she won't give in and Katie pushes hard", "makes responsible and fair decisions and gives the kids some needed discipline." :P Anscheinend sind sie also zufrieden damit, wie ich alles handle und eben hat sie mich dazu aufgemuntert, mit dem Abendessen rumzuprobieren und mir eine Beilage zum Chickenschnitzel zu überlegen. Ich dachte da an Backofenkartoffeln und eine Paprikasoße mit Gemüse. Bisher haben sie mein Essen auch immer gelobt (aber manchmal glaube ich wollen sie höflich sein. Das Risotto von letztens war höchstens essbar, aber bestimmt nicht delicious ;) )
Zum Rest meines Lebens: Ich bekomme langsam einen ziemlich guten Orientierungssinn für Perth und Nedlands und passe mich den Gepflogenheiten an. So ist es hier total normal, einfach über die Mittelinsel zu fahren, wenn die Autos wartender Eltern die komplette Straße blockieren und auch auf dem Grasseitenstreifen zu parken ist absolut kein Problem. Mit meine Mitsubishi Panjero, den ich fahre, zeigt sich auch das als easy, denn man fühlt sich darin eh, als säße man nicht im Auto, sondern oben drauf. Den Weg zur Schule fahre ich blind, die Lehrer und Mütter kennen mich jetzt. Ich spraye die Kinder automatisch mit Antiläusekram ein und weiß, wo ich Alastairs Buch finde, wenn er es vergessen hat. Ich habe mich richtig eingelebt und wieder mal das Bedürfnis mein neues Heim mit euch allen zu teilen!
Die Dinge laufen also ganz gut. Ich gebe mir derweil Mühe, die Kids und Eltern weiterhin zufrieden zu stellen und auch schöne Dinge gerade mit Katie zu unternehmen, weil sie sich nicht so gut alleine beschäftigen kann und eben denkt, alle wollen ihr etwas anhaben.
An besonders Oma und Manu: Ich weiß, dass ich genug essen und trinken soll und vorsichtig auf den Straßen abends ;) Das weiß ich so oder so, weil ich ja informiert bin und ihr habt es mir ja auch schon Millionen mal gesagt. Es ist lieb von euch, an mich zu denken, aber ich bin jetzt erwachsen. Ich diszipliniere Kinder, trainiere einen Hund, schmeiße den Haushalt und führe nebenher ein Leben, dass ich nicht mit zweihundert im Dunkeln über den Freeway sause, ergibt sich von selbst ;)
Wenn ihr mir Tips geben wollt, dann lieber welche, die mich noch nicht in meinen Alpträumen verfolgen, zum Beispiel wie man einen Hund von Flöhen befreit, wir haben da nämlich so einen Verdacht.
Ich habe euch alle lieb und danke, dass ihr an mich denkt!
Liebe Grüße,
Desperate Housewife... äh, Flipper.
Also , Mäuschen ,
AntwortenLöschenegal wie alt Du bist und selbständig , Oma macht sich immer Sorgen . Das ist der Lauf der Dinge . Schön dass Du Dich in der Familie wohl fühlst. Von Hundeflöhen haben wir keine Ahnung , vielleicht findest Du was in der Apotheke oder Tipps im Internet.
Deine Oma und Opa
Küsschen
Hey Süße, bin voll begeistert, wie gut du dich schon in die Familie reingelebt hast, wie konsequent, aber trotzdem liebevoll und spaßig du mit den Kindern umgehst und wie selbstverständlich du alles anpackst. Ich bin stolz auf dich und, so wie sich das anhört, bist du zurecht auch stolz auf dich.
AntwortenLöschenDas mit den Flöhen werde ich mal an Papa weitergeben, der weiß vermutlich mehr darüber. Evtl ist aber ein Arztbesuch ratsam, weil Flöhe ja auch den Bandwurm (heißt der so?) übertragen können. Das ist das, was noch so in meinem Kopf geblieben ist von meiner Zeit in Amerika mit zwei 'lausigen' Hunden ;)
Ich hab dich lieb! Jetzt muss ich noch Lucia ins Bett bringen, damit wir gleich zum See fahren und gagacks gucken können :)
ach ja, Al tanzt wirklich super!
AntwortenLöschenNeuer Hund!
AntwortenLöschenHallo wie ich sehe hast Du bereits die Kompanie übernommen und hast alles unter deine Kontrolle:-)
AntwortenLöschenDas mit dem Autofahren in Aussiland zu Dämmerung, ist mir so eingefallen, da es dort sehr oft die Kängurus Dir für das Autofahren..Also nimm s bitte das als Sensibilisierung und das hat nichts mit Erwachsen sein oder sonst zutun...
Zu Them Hundeflöhe habe ich folgendes rausbekommen:
http://www.hundeinfoportal.de/ungeziefer_hunde_floehe.php
Ich denke mit Schampoo geht s am besten und weniger problematisch...
So long from me and see you:-)
Manonkel