Es ging also alles Freitag los. Um viertel vor zwölf war ich nach Nedlands bestellt, um gegen mein erstes kleines Taschengeld Brett beim Möbelpacken zu helfen. Letztendlich waren es "nur" vier Stühle, zwei Sofas, zwei Sessel und ein Tisch, doch ich war wirklich heilfroh mal wieder irgendwo gebraucht zu werden!
Schließlich war es schon früher Nachmittag und bis wir beide fertig und bereit zur Abfahrt waren, war es fünf. Gerade als wir ins Auto stiegen (jetzt mit sicherem Vorderreifen wohlgemerkt!), zerplatzten die ersten Regentropfen auf der Scheibe.
Auch wenn ich absolut keine Ahnung davon hatte, was mich an diesem Wochenende erwarten würde, so legte ich doch das erste Ziel unserer Reise fest, denn Stan schrie nach einer neuen Lampe, die er in einsetzender Dunkelheit (!) und strömendstem Regen (!!) auch bekam.
"Es sind 106 Meilen nach Chicago, wir haben genug Benzin im Tank, 'n halbes Päckchen Zigaretten, es ist dunkel, und wir tragen Sonnenbrillen!"
Also nichts wie auf die Piste, Richtung Süden, nach Dunsborough wie ich erfahren durfte. Bis dort sind es 230km, doch was es dort gibt, davon hatte ich trotzdem keine Ahnung. Dazu lief passend die erste Überraschung: http://youtu.be/cPQcnjlwtE4
Nach mehreren Abstechern auf der Suche nach Tankstellen (AUFGEMERKT: Tankstellen neigen hier dazu, schon um 8 zu schließen), erreichten wir gegen halb elf abends Meelup Beach. - Dunkel, Regen, Kälte!
Vor dem Ranger versteckten wir das Auto und uns selbst hinter ein wenig Gebüsch, denn eigentlich darf man nicht irgendwo am Straßenrand im Auto schlafen, aber Campingplätze waren wohl zu teuer. Im Hellen sah das allerdings aus, als würde man einen Elefanten hinter einem Weihnachtsbaum verbergen.
Das Tageslicht war auch eigentlich der einzige Unterschied zum Rest der bisherigen Reise, denn auch der Samstag bestand hauptsächlich aus - Regen und Kälte! Das lud gar nicht zum Aufstehen und Aussteigen ein. Wir verbrachten also einen kompletten Tag im Auto, fuhren zwischendurch zu einem anderen Strand und sorgten so immerhin für ein kleines Bisschen Tapetenwechsel. In einer Regenpause wagten wir es, uns endlich am Strand die Beine zu vertreten! Shirins wagemutige Idee schwimmen zu gehen, warf sie gleich in den Sand, als ihre Füße in dem kalten Wasser beinahe abfroren.
Jaja :D
Ansonsten haben wir den Rest des Tages Harry Potter und den Heiligtümern des Todes gelauscht ("'Meine Fresse, 'n' Baby', sagte Ron, als hätte er noch nie eines gesehen.") und hungrigen Magpies zugesehen, die was von unseren Brötchen abhaben wollten.
Irgendwann neigte sich die Sonne hinter den dunklen Wolken schließlich dem Horizont entgegen, und wir versuchten, uns ein Abendmahl zu kochen. Bei dem Versuch blieb es auch, denn die Flamme des Kochers wurde ständig vom Winde verweht, und das Wasser wurde allenfalls lauwarm.
Bevor wir uns für diesen Abend mit Fish 'n' Chips aushalfen, kam ein erstes Highlight dazwischen! Das unten sichtbare Fotos kam folgendermaßen zustande:
"Da ist ein Känguru?"
"Wo?"
"Da zwischen den Bäumen!" Die Kamera landet in Shirins Schoß, unachtsam hüpft sie auf Socken hinaus. Das war auch gut so, denn anders als ich in dicken Wanderschuhen kam sie verhältnismäßig nah an die Roos heran.
Ein wenig später kamen noch mehr vorbei und hoppelten über den Parkplatz, das war schon aufregend und einige intelligente Konversationen entsprangen diesem Ereignis:
F: Ich sollte mal Kängurus googlen. Ob die gefährlich sind, und wo die eigentlich schlafen.
S: Die sind wie Rehe glaube ich. Die machen einfach irgendwo plöpp und schlafen dann.
F: Wir sind auch wie Rehe. Machen hier plöpp und schlafen dann.
S: Nein wir sind eher wie Schnecken, wir haben unser Haus dabei.
oder
F: Ich hab schon manchmal Schiss vor Kühen.
S: Also ich weiß auch nicht was ich von denen halten soll, allein deren Kacke macht sie schon unsympathisch. Machen Kängurus auch so Kacke wie Kühe? Das könntest du auch mal googlen!
F: Nee, ich glaube die sind eher wie... Schafe. Oder Ziegen? Ziegen kötteln, und Schafe... die machen so fluffige Feierabendbrötchen.
Diesmal übernachteten wir ein Stück weiter, am Picquet Point. Und als wir am Morgen aus dem Fenster guckten, war sie endlich da, die Sonne.
So sah es gleich viel magischer aus und viel mehr wie "der schönste Fleck auf Erden", den Brett uns versprochen hatte. Daher probierten wir es am Meelup Beach noch einmal mit der Freiluftküche: Zum Frühstück gab es Porridge, richtig australisch (englisch) also. Weil Shirin ihre geheimen Pläne aufgrund des Regens verschieben musste, ging es im zwar windigen aber warmen Wetter auf nach Bunker Bay!
Ein bisschen paradiesisch sieht es dort schon aus und man kann nachvollziehen, weshalb Kirstie und Brett ihre Hochzeitsfotos haben hier schießen lassen:
Vom Strand aus, bei herrlichem Sonnenschein und einem lauen Lüftchen, begaben wir uns auf den Überraschungswalktrail, der über Cape Naturaliste führte. Die schöne Natur zeigte sich von ihrer besten Seite und vom Inlandteil des Trails konnten wir den Leuchtturm sehen.
Dann machten wir einen Knick, ein paar Fotos, und steuerten wieder auf das Meer zu, wo ein weiteres Highlight uns grüßte: In der Ferne ließen sich offenbar einige Wale im Meer entdecken. Hören Sie dazu einen Kommentar von Shirin Azarvan:
Wenn man in Deutschland als Kind aufwächst, dann weiß man, dass es Wale gibt. Denn neben unseren heimischen Farmtieren gibt es irgendwo dort draußen im Ozean riesige Fische. Ja, so groß, dass Pinocchio und sein Papa in einem leben können! Auch weiß man, dass einer dieser Giganten Marlin und Dori nach Sydney gebracht hat, um dort Nemo zu finden, aber was bedeutet das schon? Jedenfalls zieht man nicht gleich die Schlussfolgerung, dass Wale sich den australischen Stränden viel näher aufhalten, als den belgischen (oder holländischen oder französischen).
Als Florian also während der Wanderung plötzlich rief "Ist das ein Wal?", war ich ganz aus dem Häuschen, auch wenn sich diese Sichtung als... ein Stein? Ein kleines Boot? aber nicht als Wal herausstellte. Wäre auch zu schön gewesen. Kirstie hatte zwar versichert, das sie bis jetzt noch immer Wale dort unten gesehen hatte, aber das Glück ist einem selbst doch meist nicht so hold, oder? Doch, das ist es durchaus. Sobald wir Rast an einem Aussichtspunkt machten, sah ich weiter link von uns, mittelweit entfernt, weißen Schaum mitten auf dem Wasser auftauchen. Auch an anderen Stellen um diese herum verfärbte die blaue See sich immer wieder für ein paar Sekunden weiß und spritzte ohne Grund. Das waren keine mitten im Meer brechenden Wellen! Das waren Wale. Eben die Riesen, die uns so exotisch, wunderschön und auch angsteinflößend erscheinen. Zwar konnte Florian meine Begeisterung nicht ganz teilen, schließlich hatte er nicht wirklich etwas von den Tieren gesehen, aber was spielt das für eine Rolle? Sie waren dort. In Reichweite. Hätten wir uns ein Boot geschnappt und wären zu besagter Stelle gefahren, hätten sie uns umgeben! Diese Tatsache fand ich doch unglaublich beeindruckend und schön. Kängurus und Wale an einem Wochenende sind nicht zu verachten :)
Zurück ins Studio.
Am frühen Nachmittag (nach professionell gekochten Spaghetti mit Soße) wurde es dann noch einmal ganz offiziell. Ich musste mit verbundenen Augen auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, die eigentliche Überraschung oder mein eigentliches Geburtstagsgeschenk rückte immer näher. Zum Glück waren wir fast angekommen, als ich mir darüber Gedanken machte, dass einem ja eigentlich schlecht werden müsste, wenn man nicht sieht wo es lang geht :-P
Ich hatte also wie gesagt keine Ahnung, wurde blindlings über den Parkplatz gelotst, bis mir auf einmal jemand den Schal von den Augen riss und rief "Is the mate Australian?". Zumindest dachte ich das. Weil es so wenig Sinn machte, vermutete ich ein "Is he mad of crying?", doch wie ich später erfuhr hieß es "It's the mad Australians!" :D
Kurz habe ich mich gefragt ob die Überraschung ein Irrenhaus ist, doch dann lüftete sich das Geheimnis: eine Tropfsteinhöhle! Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet!
Die Ngilgi Cave ist eine der jüngsten Höhlen der Welt, noch nicht mal eine Million Jahre alt. Noch schöner als sowieso schon, wurde sie, nach dem wir uns von Dominique eine dreiviertel Stunde lang etwas über die Entstehung und die verschiedenen Kristallarten erzählen ließen. Dann erst fielen uns nämlich die vielen Besonderheiten auf!
Die Höhle ist schon sehr gut zugänglich gemacht, und so werden im sogenannten Amphitheater ab und an Konzerte gegeben, und normale Besucher sind ausdrücklich aufgefordert, auch etwas zu singen. Die Gelegenheit haben wir genutzt und Fantine's Traum performt, unter einer beeindruckenden Decke, die in Wirklichkeit noch imposanter ist, als auf dem Foto:
Alles Liebe,
Lopaka und Gastkommentator Flipper






Schöne Fotos! Und eure Kanguru-Google-Überlegungen sind einfach zum Schreiben komisch. Sehr geil#!
AntwortenLöschenTolle Reiseerzählung:-) schöne Fotos...
AntwortenLöschenÜbrigens,Wie ich sehe Flo, hab dein Geburtstag verpasst...Happy Birthday...!!!
Das ist ja wirklich einmalig Kängurus und Wale zur selben Zeit zu erleben...Ich hatte bis jetzt mit den Walen kein Glück....Bin gespannt auf ide nächsten Erlenbnisse...Manonkel